Naher Osten: (K)ein Internet am Arsch der Welt

Article by · 2. Dezember 2017 ·

Sandau ist eine von jenen Kleinstädten, die wirklich sehrɹɥǝs klein sind. Die sehrɹɥǝs kleine Kleinstadt liegt im “Nahen Osten”, also in Sachsen-Anhalt, irgendwo an der Elbe, zwischen Themse, Euphrat und Tigris. Bei einer zum Thema Breitbandversorgung abgehaltenen Volksbefragung, die nicht Volksbefragung genannt wurde, um die Eingeborenen nicht zu verwirren bzw. zu sehr zu verunsichern oder sie auf dumme Gedanken zu bringen, wie zum Beispiel damit, dass das Volk sich auch mal äußern könne oder durchaus in der Lage wäre, von gelegentlichen Alibi-Wahlen zum Deutschen Bundestag mal ganz abgesehen, seinen Willen zu bekunden oder gar durchsetzen zu können, weshalb man die Volksbefragung dann auch Volkswillenserkundung genannt hatte, entschieden sich die mehrheitlich überalterten Kneipengänger, welche ansonsten sehr kostenbewusst waren, gegen einen entsprechenden Ausbau in dieser Angelegenheit. Einige Berufsjugendliche, die man gelegentlich mit eigenartigen Gerätschaften in luftiger Höhe auf ihren Dächern dabei beobachten konnte, wie sie komische Verrenkungen machten oder eine Art Regentanz aufführten, um irgendein Internet-Radiosignal zu empfangen, hatte man kurzerhand überstimmt.

Nein zum komischen Internet

Man wusste nicht so recht, was man mit diesem komischen Internet anfangen sollte, dort, wo es schon mit dem mobilen Telefonieren Schwierigkeiten gab und man sich das Handy, zum Beispiel beim Einkaufen, nur an den Kopf hielt, um in aller Ruhe Selbstgespräche führen zu können, ohne dafür blöd angeglotzt zu werden oder die Gefahr drohte, aufgrund dieser exklusiven Vorliebe für besonders gut gelungene und nahezu störungsfreie Konversation und Kommunikation, in die Verlegenheit geraten zu können, das eigene Verhalten rechtfertigen zu müssen. Abgesehen davon braucht man ein Handy in Sandau eher selten. Wenn man den anderen etwas Wichtiges mitteilen will, geht man in eine im Ort sehr bekannte Destille in der Stavenstraße (illegale Kneipe) und erzählt unabhängig von der Anzahl der jeweils gerade anwesenden Gestalten einfach drauf los. Den Rest übernimmt dann die Inhaberin. So sind immer alle über alles informiert.

Glas(faserkabel) fürs Neandertal

Die Stadt entschied sich gewohnheitsgemäß und ohne weiteres Nachsinnen, den in der Befragung bekundeten Volkswillen zu ignorieren. Man bestellte sogleich dieses komische Internet, um die eigene Widerstandsfähigkeit gegenüber der widerspenstigen Bevölkerung zu unterstreichen. Und um gleich mal richtig zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat, wählte man die brisanteste aller Vergeltungswaffen: Glas. Denn damit sollte der gemeine Sandauer nicht nur die unerwünschte Breitbandversorgung erhalten, man wollte es ihnen auch gleich mit Hochgeschwindigkeit besorgen, diesen Arschgeigen. Ehe man sich versah, rückten die Phaseraffen an und begannen damit sechs Kabel pro Anschluss, gebraucht wird nur eines, aus bis zu 900 Meter Entfernung mit Hochdruck in die Wohngehege zu schießen.

Ich war einmal in Sandau

Auch ich war einmal für kurze Zeit Sandauer, (Was ich persönlich dort erleben konnte, lest ihr hier.) bevor ich nach Norwegen auszog, um das Gruseln zu lernen. Denn schlimmer konnte es ja nicht mehr kommen. Wer Sandau überlebt hat, übersteht alles. Wer mehr wissen will, kann in meinem Buch Ölkäfer nachlesen, wie genau es mir dabei erging. Nur soviel: Es war alles ganz anders als ursprünglich gedacht. Dort also, wo sich bisher Fuchs und Hase gute Nacht sagten, liegt jetzt Glas in der Erde. Überall liegt es herum und die dazugehörigen Verteilerkästen stehen an den Straßenecken. Nur einer steht noch nicht. Ihr ahnt es bereits, ganz genau, es ist der, neben unserem ehemaligen Haus in der Elbstraße. Gut, dass wir das nicht mehr erleben müssen, sagte kürzlich meine Tochter und wir waren uns nicht nur wegen der Internetgeschichte darin einig, dass sie recht hatte.

Hochgeschwindigkeitsbreitbandinternetpornographie im Offline-Reservat

Und in der Tat gibt es noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, wie sich der nun plötzlich möglich gewordene und völlig unregulierte Zugang auf Hochgeschwindigkeitsbreitbandinternetpornographie auf das einstige Offline-Reservat ausgewirkt hat und noch auswirken wird. Aber vermutlich wird man nur mit den Schultern zucken, denn es gibt nichts, was man mit einem Schwarzgebrannten aus Juttas Piratenkneipe nicht überstehen kann.

Ahoi aus den Ferien!

Euer Andreas Köppen

Bildquelle: Pixabay, thx! (CC0 Public Domain)

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13 Comments

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    Anonymous

    @Lars:
    “Gut, dann entschuldige bitte, dass ich künftig nicht mehr auf Deine Kommentare antworte.”

    Du BIST entschuldigt ^^.

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      Ja, weil verhöhnen kann ich mich selbst, dafür benötige ich Dich nicht. Entweder wir diskutieren sachlich oder gar nicht, ganz einfach.

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        Anonymous

        Stimmt, kannst und tust Du. Da hast Du 101% recht.

        ^^

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    Max

    Im Schwarzwald sind manche Orte bis heute, sowohl Mobil wie auch im Festnetz, abgehängt. Als man z.B. vor 10 – 15 Jahren Mobilfunkmasten aufbauen wollten hatte man Angst vor der Strahlung nur das Highspeedinternet gibt es aufgrund der Gegenwehr von damals bis heute nicht. Jetzt gehen Hotels pleite weil es kein oder nur sehr schlechtes Internet gibt und es keine Firmenkunden mehr gibt die auf das Internet verzichten können. Wer zu spät kommt den bestraft das leben.

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    Siboluterasterkomter

    Bravo! Grandioser Schreibstil! Allerdings wurde ein Komma im ersten Absatz, hinter dem Wort “Kneipengänger” vergessen und etwas später dann nochmal.

    Der Herr Köppen schreibt so, ich weiß nicht wie ich es nennen soll, nicht abgedroschen, aber vielleicht “schräg”, dass man es einfach nicht serious nehmen kann.

    (…)

    Ob an seinen Geschichten überhaupt ein Fünkchen Wahrheit steckt, kann man auch nicht wissen und ich kann es auch nicht bewerten. (…)

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      Das Komma habe ich eingefügt, danke. Ob seine Story wahr ist, kann man bei Google ganz einfach nachvollziehen, außerdem habe ich einen entsprechenden Artikel dazu im Beitrag verlinkt. Such einfach mal nach “sandau internet ausbau”, dann kommen schon genügend Artikel, die den Wahrheitsgehalt der Story aus dem fernen Osten belegen.

      Und nein, natürlich sind die Sachen von Andreas nicht jedermanns Sache, deswegen gibt es ja auch immer wieder Meckerei. Aber als Ergänzung finde ich sie sehr passend. Ich lese sein Zeug gerne und selbst wenn ich nicht über alles lachen kann, so werde ich dabei zumeist gut unterhalten. Die Geschmäcker sind natürlich verschieden. Dafür hat er ja auch seine eigene Kategorie. Wem das nicht gefällt, einfach ignorieren, danke!

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        Siboluterasterkomter

        Ja gut, auf die Idee der Überprüfung der Links bin ich zunächst nicht gekommen, weil mich der Artikel inhaltlich zu sehr abgelenkt hatte.
        Unter den Wikipediaverlinkungen habe ich den einfach übersehen.

        Der Beitrag von Anonymous stimmt indirekt aber schon: Nämlich, dass der Herr Köppen in vielen Berichten seine eigenen Werke/Blogs verlinkt.

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          Schleichwerbung in 2 von 21 Beiträgen ist ein hoher Anteil? Ernsthaft? Oder habe ich etwas übersehen?

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      Anonymous

      das dient hier in erster Linie der Reklame für seine Bücher. Kommen praktisch in jedem Artikel vor.

      ^^

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        In zwei von 21 Artikeln wird das Buch erwähnt. Also “praktisch in jedem Artikel” ?? Schwachsinn!

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          Anonymous

          LOL. Brav nachgezählt. Schüler Sobiraj, 1, setzen. Du scheinst an einem Sonntagabend nicht viel zu tun zu haben. Warum nicht stattdessen die Upvotes / Downvotes fixen? Funktionieren immer noch nicht.

          Entschuldige bitte daß ich nicht jeden Schwachfug lese, den dieser ‘Autor’ hier publiziert. Waren dann halt die zwei, zu denen ich mich durchringen konnte.

          • comment-avatar

            Gut, dann entschuldige bitte, dass ich künftig nicht mehr auf Deine Kommentare antworte.


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