[Meinung] Peter Sunde – war da was?

Schon erstaunlich: Peter Sunde wird einfach weggesperrt. Scheint niemanden groß zu interessieren. (Ich lass mich gerne korrigieren.)

Wir haben zweierlei Personal. Auf der einen Seite die Leute, die bloggen, twittern und Kommentare schreiben. Auf der anderen Seite die (wenigen) Leute, die was machen und was riskieren. Zwei Ebenen. Die einen sind – sag ich mal – Kulisse, die anderen sind Veranstalter. Und – sorry für das! – die Kulisse existiert nur, weil es Leute wie Peter Sunde gibt. Wenn es sie nicht mehr gibt, wird am Tag noch das Bühnenbild demontiert, und übers Wochenende die Einrichtung der Theaterbar versteigert.

Selbst auf The Pirate Bay seh ich nichts von Peter Sunde. Ein bisschen Promo für ein Pärchen Youtube-Melancholiker, aber keinerlei Protest gegen die Festsetzung eines ihrer Gründer. Sehr schwach. Auch deshalb, weil der Name Peter Sunde oder Gottfrid Svartholm mit The Pirate Bay verbunden bleibt, ob sie es wollen oder nicht. Oder sehen sie sich als Business, nicht als Teil einer Bewegung. Das wäre noch schwächer als schwach!

Eine spektakuläre Aktion wie eine Offminute auf TPB? Fehlanzeige!

Ich darf auch persönlich sagen, dass mir sein offenes Auftreten imponiert. Ich – Spiegelbest – bleibe in Deckung. Gleiches gilt für viele andere. Das ist der neue, traurige Trend: die Tarnkappe. Stolz bin ich darauf nicht. Was bin ich denn als ein komischer Nick? Ein Macher aus dem Off. Ein Gestalt gewordener Fluchtwegeplan.

Und selbst wenn Peter Sunde kein Macher wäre, würde er herausragen. Jetzt mal von seinen Projekten wie Flattr etc. abgesehen, hat er das Filesharing in den sozialen Kontext gerückt als Menschenrecht auf Bildung und Teilhabe. Ich kenn keinen, der in dieser Frage vorneweg wäre – im internationalen Rahmen. Da hat er sich Feinde gemacht bei denen, die Vordenkertum im Staatsauftrag betreiben. Ein Versuchsballon im akademischen Vorprogramm ist er nicht.

heml.is ScreenshotEr dürfte sich mit seinen Projekten den aufrichtigen Hass der Lobbygruppen und Regierungen zugezogen haben. Von allen VPNs ist nur sein IPredator gleichzeitig bei Paypal und den US-Kreditkarten rausgeflogen. Das wird Gründe haben. Auch sein Heml.is ist konfrontativ gedacht.

Ich wüsste also nicht, warum wir allein Snowden feiern sollten. Peter Sunde ist die Freiheit, die sich das Netz nimmt. Und Snowden ist Aufklärung, die es nötig hat.

Zwei Seiten einer Sohle, sag ich mal.

Bildquelle: Share Conference 2012 – (CC-BY-SA), thx!

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7 Kommentare

  1. mayo sagt:

    Frei nach Friedrich von Schiller+Google werden die schönsten Träume von Freiheit im Kerker geträumt; danach bin ich mir sicher, das Sunde in ein paar Monaten mit neuen Ideen bzw. Projekten überraschen wird.

    Bürgerrechte und digitale Freiheit stehen in der Prioritätenliste noch zu weit unten, als das ein Defizit oder Verlust viele kümmert, wie er selbst sagt. Sind ja auch nicht so sichtbar wie leere Kühlschränke/Konten oder volle Briefkästen mit Rechnungen.

    Aktionen für seine Freihlassung gab’s nachdem was ich so mitbekommen hab, wohl in Stockholm, Malmö und Finnland, ‚Free Sunde‘ Banner, bitteschön:
    https://a.disquscdn.com/uploads/mediaembed/images/1060/6464/original.jpg

    @Spiegelbest – Aktivismus ist kein Spaß und schon gar kein Happening;
    gibt genug Leute, die mehr oder weniger unfreiwillig zu Bühnenpräsenz gelangt sind und lieber ihre Tarnkappe aufbehalten hätten.
    Softwareprojekte (Pads,Tor- eBookserver), Soli gegen Nazis + andere soziale Mißstände, alles wichtig und unterstützenswert, solang man die Folgen seines Handelns im Auge behält und sich nicht nur mitsnacken läßt, wie man bei uns im Osten sagt.

    Gut, Massenrazzien kann’s immer mal geben, ’shit happens‘ wie uns Ossi sagt.
    Massenrazzia gegen soziale Aktivisten in Turin:
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/115731

  2. naja die och kiddies interessieren sich nicht dafür.
    und sunde kämpft jetzt schon echt lange…irgendwann…schon wieder was neues…
    TPB immer noch online…naja dann ist es ja egal.

    für mich sind die „gründer“ von TPB immer noch vorbilder.
    aber ich habe das gefühl, dass sie sich selber schon auseinander gelebt haben.

    ich hab mich immer schon gefragt wann der tag kommt wo sie rein müssen
    oder bezahlen dürfen.
    somit ist jetzt der zweite? drin nach Svartholm…

  3. P.J.Hintzman sagt:

    A Boy named Chelsea, ein Verraeter in Moskau und nun Sunde – für welche Verbrecher sonst setzt ihr noch euch ein? Man kann eine eigene Meinung haben, aber wer eine Meinung voll vertritt und dann Interesse derer stoert, die andere Meinung haben, darf nicht gewundert sein, wenn es knallt. Und vielleicht knallt es erst bei der Reise in die US beim Immigration Officer…

    • Lars Sobiraj sagt:

      Edward Snowden ist für mich ein Vorbild, kein Verräter. Auch Chelsea Manning hat in meinen Augen teilweise das Richtige getan. Meinung ist dafür da erzählt zu werden, deswegen steht sie auch im Titel, sonst wäre es eine Nachricht. Und keine Sorge, ich habe sobald nicht vor in die USA einzureisen. Und obwohl ich ein ganz kleines Licht bin, ist es wohl besser so.

  4. Konrad sagt:

    „sag ich mal“, „sag ich mal“ … Nichts schlimmer als diese Floskel.

  5. Lars Sobiraj sagt:

    Bei heml.is, ipredator.se oder flattr.com steht leider auch nichts, da hat Spiegelbest schon Recht. Ich persönlich hatte aber schon 2006 das Gefühl, dass es bei TPB vor allem um das Verdienen von Geld ging und bis heute geht. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Verhaftung des Mitbegründers keine Erwähnung auf der Startseite findet.

  6. Peter sagt:

    Der Messenger heißt Heml.is und nicht Hemlin, könnte man bei Bedarf eventuell auswechseln.

    Wenn man auf Google geht und im Reiter News mal nach Peter Sunde geht, habe ich nicht das Gefühl, dass es wenig interessieren würde. Nur weil auf der TPB-Seite nichts gibt?

    Mhm, ich weiß nicht.

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