Lesetipps vom 25.08.2019

Google verpasst seinen Mitarbeitern einen (weiteren) Maulkorb. Der Facebook CTO erklärt, warum VR-Brillen floppen und last, but not least: Apple will mehr weibliche Programmierer einstellen. Das sind aber nur ein paar der Lesetipps von heute.


Was gibt es Besseres am Sonntagmorgen, als frischen Kaffee, leckere Brötchen und ein paar gut sortierte Lesetipps?

Google verpasst Mitarbeitern einen Maulkorb

MaulkorbEigentlich ist es bei Google Tradition seinen Mitarbeitern Redefreiheit für offene Debatten einzuräumen. Offenbar ist Big G mit dieser Kultur zunehmend an seine Grenzen gestoßen. Jetzt haben gegenüber CNN mehrere Mitarbeiter zu Protokoll gegeben, dass man ihnen ihre kritischen Aussagen über den Konzern übel genommen hat. Zu ehrlich zu sein hatte wohl negative Folgen für die Karriere. Außerdem wurden vor kurzem für alle Mitarbeiter neue Richtlinien erlassen, um zu verhindern, dass jemand zu viel Arbeitszeit mit politischen Diskussionen verplempert. Das trage nicht zum Aufbau einer Gemeinschaft bei, begründet Google die neue Richtlinie.

Maulkorb, oder doch keiner?

Eine Sprecherin schränkte den Maulkorb dahingehend ein, dass es primär darum ginge, niemanden mit irgendwelchen Äußerungen zu verunglimpfen. Die nach einem Jahr angepassten (eigentlich verschärften) Richtlinien wenden sich insbesondere gegen Beleidigungen von Kunden, Mitarbeitern, der Geschäftspartner und allen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens: also irgendwie gegen jeden und alles. Also doch ein lückenloser Maulkorb, den man da den eigenen Leuten aufsetzt.

Facebook versucht eigene VR-Brille zu pushen

LesetippsFacebooks CTO Mike Schroepfer versucht bei der US-Presse krampfhaft Werbung für seine VR-Brille Oculus Quest zu machen. Das erste serienreife Gerät, Oculus Rift vom Konkurrenten, wollte sich auch von Anfang an nicht so recht verkaufen. Und auch wenn Facebook ein eigenes Gerät auf den Markt gebracht hat, will kaum jemand 399 statt ehemals 599 Dollar dafür bezahlen.

So sucht Facebook derzeit nach Möglichkeiten, die Hardware noch preisgünstiger anzubieten. Und natürlich weiß man, dass kaum ein Spielehersteller anbeißen wird, solange dies ein Nischenmarkt bleibt. Für wenige mögliche Kunden wird kaum jemand die Entwicklungskosten übernehmen wollen, selbst wenn Facebook den Brillen eine große Zukunft vorhersagt. Hat Google nicht mal das gleiche von ihrer tragbaren Digitalkamera Google Glass gesagt? Das ist erst sieben Jahre her, trotzdem lag das Ding all die Jahre wie ein Stein im Regal…

Apple will Frauen als Coder

In Großbritannien und anderswo beseht sowieso ein großer Fachkräftemangel. Dieser ist beim Thema Programmierung umso größer. Apple will jetzt aktiv dagegen vorgehen. Wettbewerbe sollen mögliche Mitarbeiterinnen zutage fördern. Außerdem soll der Lehrplan an diversen Schulen um entsprechende IT-Fächer erweitert werden. Das Programm nennt sich „Everyone can code„. Gleichzeitig soll der Malala Fund finanziell unterstützt werden, der sich für eine bessere Ausbildung von jungen Frauen in aller Welt einsetzt.

Trotzdem muss Apple zugeben, dass es kaum bis gar keine Frauen in IT-Konzernen bis in die Chefetage geschafft haben. Apple stellt da keine Ausnahme dar. Bei Leitungspositionen haben Frauen bis dato kaum bis gar keine Chance. Doch genügend Frauen, die über das entsprechende intellektuelle Potenzial verfügen würden, gäbe es, würde man sie nur ausreichend fördern. Nun ja, schauen wir mal, ob sich das das Ungleichgewicht in der Führungsriege wirklich irgendwann verändern, geschweige denn einpendeln wird. Wir sind da eher skeptisch, um es mal nett auszudrücken…

Russisches Wahlsystem gehackt!

Russland. Roter Platz in MoskauPierrick Gaudry, ein Wissenschaftler an der Universität Lothringen und Forscher bei INRIA, dem französischen Forschungsinstitut für digitale Wissenschaften, konnte das geplante Wahlsystem der Moskauer Duma auf Blockchain-Basis hacken. Gaudry kann die privaten Schlüssel des Wahlsystems auf Grundlage seiner öffentlichen Schlüssel berechnen. Diese privaten Schlüssel werden zusammen mit den öffentlichen Schlüsseln verwendet, um die bei der Wahl abgegebenen Stimmen der Benutzer zu verschlüsseln. Zum Schutz des Systems hätte man die Verschlüsselung nur umfangreicher gestalten müssen. Moderne Computer könnten die privaten Keys binnen weniger Minuten berechnen. „Im schlimmsten Fall würden die Stimmen aller Wähler, die dieses System nutzen, jedem offenbart, sobald sie ihre Stimme abgegeben haben„, kommentierte Gaudry den Vorfall. Ob dies wirklich der Fall ist, wurde noch nicht von offizieller Stelle bestätigt. Wohl aber, dass man nachbessern muss. Mit dem jetzigen System kann man die Duma, das Rathaus Moskaus, jedenfalls nicht wählen.

Dänemark muss Funkzellenabfragen wegen technischer Fehler aussetzen!

Lesetipps ÜberwachungDer Justizminister Dänemarks muss sich entschuldigen. 10.700 Gerichtsurteile müssen wegen fehlerhafter Funkzellenabfragen (FZA) überprüft werden!! Das Verfahren wird für mindestens zwei Monate auf Eis gelegt, um weitere Fehler und anfechtbare Urteile zu vermeiden. Weil die Lokalisierung von Verdächtigen falsch war, kam der Justizminister jetzt in Erklärungsnot. Der Sozialdemokrat Nick Haekkerup musste zugeben, dass dies das Vertrauen seines Volkes in das bestehende Rechtssystem erschüttern würde. Das Problem war aber wohl nicht die reine Funkzellenabfrage, sondern die Zuordnung der Telekommunikations-Daten. Die war nämlich fehlerhaft. Folglich könnten die falschen Personen aufgrund der fehlerhaften Zuordnungen verurteilt oder fälschlicherweise freigesprochen worden sein.

Das Schöne für die Polizisten: Im Gegensatz zur Stillen SMS kann der Überwachte nicht feststellen, dass man den Aufenthaltsort seines Gerätes überprüft hat. Bei der Stillen SMS gibt es immerhin unter Android noch ein paar nicht mehr aktuelle Apps, die wenigstens dabei anschlagen. Bei der Funkzellenabfrage schlägt gar nichts mehr an! Deutsche Polizisten nutzen die FZA schon mal gerne bei größeren Demos, obwohl dabei auch die Mobilfunkgeräte aller Journalisten, Touristen, Anwohner etc. erfasst werden. Rein theoretisch besteht der Richtervorbehalt. D.h. jede einzelne Abfrage müsste vorher vom zuständigen Richter genehmigt werden.

Als man in Dresden im Rahmen einer Großdemo über 300.000 Geräte überwacht hat, hat man sich wohl kaum vorher die Genehmigung eingeholt. Als Dankeschön gab’s immerhin die goldene Zitrone der Datenschützer. Der sächsische Innenminister Markus Ulbig bekam als Dankeschön dafür einen Big Brother Award.

Lesetipps DänemarkIn Dänemark wurde ausnahmsweise mal die Technik zum Täter, wie die taz das Szenario sehr treffend zusammengefasst hat. Davon ablassen will man in Dänemark trotzdem nicht. Manuelle Kontrollen der Rohdaten sollen nun angeblich für mehr Sicherheit sorgen. Wer’s denn glaubt!??

Unser Special zum Thema Handy-Spionage erklärt alles Wissenswerte zu diesem Thema!

Wann kommen die nächsten Lesetipps? Wir hoffen mal, nächstes Wochenende, wenn wieder ein leckeres Frühstück ansteht.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Nong Vang, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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