Lesetipps vom 16. September 2018

Artikel von · 16. September 2018 ·

In den heutigen Lesetipps geht es um regelrechte Copyright-Oger, den fehlenden Sinn von Business-Netzwerken, kurze Haare vor Gericht und last, but not least um die CDU, die sich in Sachsen-Anhalt mit extrem viel Aufwand so richtig lächerlich gemacht hat.

Sony Classical: Erst löschen, dann denken?

Der Londoner Musiker James Rhodes nahm in seinem Wohnzimmer ein Video auf und lud es vor zwei Wochen bei Facebook hoch. Auf dem Video sieht man, wie er auf seinem Klavier ein Stück von Johann Sebastian Bach spielt.

Am 10. September twittert Rhodes, Sony Music habe nicht nur veranlasst, dass man Bachs Musik bei Facebook aufgrund der vermeintlichen Urheberrechtsverletzung nicht mehr hören kann, weil man glaubte, daran zumindest für einige Sekunden die Rechte zu besitzen. Rhodes legte Einspruch ein, der von Sony Music bzw. von der Klassik-Abteilung Sony Classical wiederum abgelehnt wurde. Daraufhin wurde Rhodes zurecht wild.

sonly music james rhodes

Hintergrund: Die aktuelle Regelschutzfrist beträgt innerhalb der EU 70 Jahre, beginnend mit dem Ablauf des Todesjahres des Urhebers. Johann Sebastian Bach ist im Sommer 1750 gestorben, selbst die 2011 auf 70 Jahre ausgedehnte Regelschutzfrist ist bei Bach schon längst Geschichte. Folglich darf kein Plattenlabel der Welt mehr von sich behaupten, es besitze die Rechte an diesem Musikstück. Alle Werke von Bach sind gemeinfrei, Ende, aus, Mickey Mouse!

James Rhodes setzte sich zur Wehr. Er verschickte E-Mails an die Geschäftsführung von Sony Classical und kontaktierte diverse andere Musiker per Twitter, um sie auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen. Überzeugend war letztlich seine Frage, was denn mit den ganzen anderen Leuten ist, die sich nicht so viel Gehör verschaffen können? Die hätten es einfach hingenommen, dass hier zu Unrecht der Ton aus dem Video genommen wurde.

James RhodesHaben die Copyright Oger mal wieder zugeschlagen? Geschah das alles mit böser Absicht? Nein, wohl eher nicht. Bei Sony Classical hat wahrscheinlich einfach nur ein Skript / Bot verrückt gespielt, oder ein Mitarbeiter von Facebook hat möglicherweise seinen unverdienten Büroschlaf mit geöffneten Augen vollzogen und den Einspruch ungeprüft abgewiesen. Wer weiß schon, was wirklich hinter den Kulissen passiert ist!? Aber der Vorfall zeigt, dass diese Upload-Filter, die man seitens der Content-Industrie unbedingt haben will, ein zweischneidiges Schwert sind. Ja, es erscheint imho durchaus sinnvoll, zumindest die großen Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen und denen die Kosten zumindest teilweise aufzudrücken. Aber die Verfahren für die Upload-Filter können naturgemäß nie perfekt sein. Wer dann kein Klavierspieler mit 148.000 Followern ist, so wie Rhodes, der hat gleich verloren. Der kann sich kein Gehör verschaffen.

Die EFF nahm die Story nur zu gerne in ihr Repertoire auf, um ihrerseits Lobby-Arbeit zu betreiben. Aber gut, die betreibt die andere Seite ja auch mehr als genügend. Man schaue sich nur die ganzen Pressemitteilungen an, die im Minuten-Takt nach Bekanntwerden der Abstimmung diese Woche ausgesendet wurden. Ein paar davon sind auch bei uns in den Kommentaren gelandet.

 

 

LinkedIn sucks – does it?

linkedinBeim techlastigen Newsportal TechCrunch kotzte sich kürzlich John Biggs aus, das Ganze wurde dann von Slashdot weiterverbreitet. Ihr wisst ja, Kunst kommt von Kotzen. Und manchmal muss halt alles raus.

Biggs schreibt, LinkedIn bringe ihm als Redakteur gar nichts. Im Gegenteil: Ständig würden ihn PR-Mitarbeiter oder CEOs von Krypto-Unternehmen kontaktieren, um ihm nahe zu bringen, dass ihr Coin/Token or what ever (die Erfindung ihres Startups) die beste auf der Welt sei.

Ja, das kommt mir irgendwie sehr bekannt vor. Ich habe über Xing oder LinkedIn auch noch keinen einzigen Job oder Auftrag als Freiberufler bekommen. Manchmal sind die beiden Netzwerke ganz nützlich, wenn man wissen will, wer der Pressesprecher eines Unternehmen ist. Oder als Referenz, damit bei Presseanfragen die Unternehmen sehen können, dass mein Account nicht erst 13 Tage alt ist und mal eben gefaked wurde. Aber was bringt das sonst noch? Ich meine, worin besteht der praktische Nutzen, außer dort Zeit zu verbraten? Aber vielleicht sind wir das ja schlichtweg falsch angegangen?

Wie seht ihr das? Habt ihr schon mal einen echten Nutzen aus einem Business-Netzwerk gezogen? Wenn ja, hinterlasst bitte einen Kommentar. Das würde ich gerne näher wissen.

 

Udo Vetter über kurze Haare und Zitronenfalter, die Zitronen falten

FilesharingIch liebe diesen Blog vom Düsseldorfer Strafrechtler Udo Vetter. Einfach mal in Ruhe einen Kaffee einschütten, alle Beiträge der letzten Wochen durchlesen und wohlfühlen. Echt, das bildet! Und es sind einige echte Schenkelklopfer dabei. So wie der hier von Mackie Messer. Nein, in Wahrheit war es ein Zeuge, der über recht viel Fantasie verfügt und dann nicht mal vor Gericht erschienen ist. Und eine Mecki-Frisur (also extrem kurze Haare). Der Angeklagte hatte Glück, sogar die Richterin musste grinsen. Doch lest bitte selbst.

 

Funklochfinder: Wenn der Bürger tatsächlich mal gefragt wird, könnte er auch antworten – und das massenhaft…

funklochfinder funkmast mobilfunkbetreiber Die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt hat eine Funkloch-Webseite (& App für iOS & Androidveröffentlicht, über die man sich über eine schlechte Mobilfunkabdeckung beschweren kann. Innerhalb von drei Tagen gingen über den „Funklochfinder“ mal eben 1.700 Meldungen ein. Bis heute früh wurden in Sachsen-Anhalt fast 3.000 Funklöcher gemeldet.

Ein Sprecher der CDU gab sich im Angesicht dieser Statistik „verblüfft“ und „mehr als erstaunt„. What, really? Selbst in der Nähe von Köln gibt es jede Menge Funklöcher. Und NRW hat in ganz Europa die höchste Einwohnerzahl pro Quadratkilometer. Was bitte haben die CDU-Politiker denn gedacht, wie es in Sachsen-Anhalt um die Netzabdeckung stehen soll? Na ja, unser Captain Obvious aka Fefe, hatte zumindest seinen Spaß. Und die ganzen News-Portale hatten auch endlich mal wieder etwas Lustiges im Angebot. Wenn der Funklochfinder schon Schwachsinn ist, war die CDU wenigstens mal wieder einen Lacher wert. Das ist ja auch schon mal was… ;-)

 

So, genug Lesetipps für heute. Mein Hund Benny muss raus, ich sollte mir auch mal die Beine vertreten.

Ich wünsche Euch weiterhin ein schönes Wochenende, die nächsten Lesetipps gibt es erst in zwei Wochen auf die Augen. Warum das so ist, werdet ihr nächste Woche Samstag von Antonia erfahren. Großes Geheimnis? Ja, ja, das schon. Aber auch etwas sehr Privates.

Beitragsbild iam Se7en @ unsplash.com, thx! (CC0 1.0)

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