Lesetipps vom 09. September 2018 über Trump, Facebook

Der Sommer ist vorbei, das Wetter hat sich abgekühlt. Unsere Lauschen-, Anschauen- und Lesetipps für den 09. September 2018.

Lesetipps, Runa

Der Sommer ist vorbei, das Wetter hat sich abgekühlt. Der Rasen ist vielerorts wieder grüner, nur die Bäume leiden noch an Wassermangel. Bei vielen Bäumen sind die Blätter viel zu früh braun geworden. Einige werfen sie schon ab. Obwohl wir noch keinen Herbst haben, liegen sie auf der Straße herum. Trotzdem ist es an der Zeit, sich mal wieder anzuschauen, was so in den letzten Tagen passiert ist. Unsere Lauschen-, Anschauen- und Lesetipps für den 09. September 2018.

Wahrheit ist ein höchst dehnbarer Begriff: Wenn der Donald mit dem Woodward…

Unsere Lesetipps beginnen mit einer never ending story: Donald Trump. Ausgerechnet als das Manuskript von Bob Woodward über die chaotischen Zustände im Weißen Haus fertig und das Buch schon im Druck war, hatte der amtierende Präsident der USA plötzlich doch mal Zeit, mit ihm zu telefonieren. Woodward ist nicht nicht irgendwer. Er deckte zusammen mit Carl Bernstein die Watergate-Affäre auf. Neben anderen Faktoren führten seine Enthüllungen im August 1974 zum Rücktritt von Richard Nixon. Damals wie heute arbeitet der Journalist für die alt ehrwürdige Washington Post.

Lesetipps oder Lauschtipps?

Wer der englischen Sprache auch nur annähernd mächtig ist, sollte sich den Mitschnitt des Telefonats zwischen Woodward und Trump einmal in Ruhe anhören. Die Untertitel kann man im Player mit dem Button „CC“ wahlweise an- oder ausschalten. Und keine Sorge: Trump spricht ein derart simples Englisch, dass selbst ich fast alles verstehen konnte. Einige Dinge fallen sofort auf. So hat es Mr. President nicht so mit der Wahrheit. Angeblich habe ihn niemand um ein Interview gebeten, eine Kontaktaufnahme vor der Veröffentlichung des Buches soll es nicht gegeben haben. Woodward kontert, er habe mit fünf oder sechs unterschiedlichen Mitarbeitern aus dem Trump-Stab gesprochen, um dann doch wieder abgewimmelt zu werden. Ob Trump ein ausgemachter Lügner ist? Offenbar nicht. Er scheint wirklich an das zu glauben, was er sagt. Er verbiegt sich die Realität halt in dem Umfang zurecht, damit es wieder für ihn passt.


Das Original der Washington Post, was man sich ohne VPN leider nicht anhören kann.


Video: Die Kopie bei YouTube für alle Besucher mit einer deutschen IP-Adresse. ;-)

Trump lässt seinen Gegenspieler auch überhaupt nicht ausreden. Respekt? Warum das denn? Der kleine Schreiberling will schließlich etwas vom mächtigsten Mann der Welt, nicht umgekehrt. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Trump ist sehr neugierig und möchte ganz genau wissen, über was Woodward bei seinen Recherchen so alles gestolpert ist. Das ist ja bei weitem nicht das erste und sicher nicht das letzte Buch über die katastrophalen Zustände im Weißen Haus. Statt sich selbst zu äußern, schaltet Trump dann eine Mitarbeiterin hinzu, um für ihn die Verantwortung zu übernehmen und sich für sein Fehlverhalten zu entschuldigen. What the fuck, kann ich dazu nur sagen.

Donald Trump

Kiss my arse: Trump-Klopapier mit Knutschmund.

Ein Narzisst vor dem Herrn

Wie kommt es eigentlich zu diesem Verhalten? Nun, das ist kein neues Phänomen. Trump leidet nach Ansicht einiger renommierter Psychologen unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Ein extremer Mangel an Einfühlungsvermögen mischt sich mit dem ständigen Verlangen nach Anerkennung, gepaart mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Mein früherer Chef leidet an der gleichen Krankheit. Sein 2016 gegründetes Unternehmen, ein Pflegedienst, arbeitet wie ein Durchlauferhitzer. Niemand war dazu in der Lage, länger als wenige Wochen an seiner Seite zu bleiben. Zumindest niemand, der ihm ehrlich gesagt hat, dass er nicht der Größte und Beste weit und breit war. Und die Frauen? Obwohl er mindestens 30 Kilogramm Übergewicht hat oder mehr, glaubt mein Ex-Chef allen Ernstes, alle Frauen um ihn herum hätten es auf ihn abgesehen. Dass er zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet und seit Jahren Vater einer süßen Tochter war, spielt für ihn eine höchst untergeordnete Rolle.

Warum landet das in den Lesetipps? Das werdet ihr gleich erfahren. Bei Trump sieht die Sache noch viel düsterer aus. Wer sich das Telefonat anhört, wird bald merken, dass Trump nicht sonderlich helle im Kopf ist. Er ist seinem Gesprächspartner intellektuell weit unterlegen. Na ja, dazu kommt: Einen Pflegedienst vor die Wand zu fahren und als verheirateter Mann alles v*geln zu wollen, was nicht bei drei auf den Bäumen war, ist eine Sache und an sich schon schlimm genug. Aber wenn so ein Mann glaubt, er sei das Maß aller Dinge und er besitzt derart viel Macht, wie Trump es tut, dann Prost Mahlzeit!

Übrigens. Ich habe bei Freunden gestern per Zufall ein total geniales Toilettenpapier entdeckt, was ich euch auf keinen Fall vorenthalten wollte, siehe Foto rechts. Hier im Kölner Raum würde man dazu sagen: das passt wie Arsch auf Eimer!!!

Facebook: virtuelles Hausrecht kontra Meinungsfreiheit

Weiter mit den Lesetipps. Der Blog Webschauder greift in einem Beitrag ein aktuelles Urteil des OLG München (AZ 18 W 1294/18) auf. Von wegen virtuelles Hausrecht! Facebook müsse nach Ansicht der Richter sehr wohl das Recht seiner Nutzer auf Meinungsfreiheit berücksichtigen. Kommentare zu löschen, weil sie angeblich gegen die von Facebook aufgestellten „Community-Standards“ verstoßen, geht wohl doch nicht so einfach, wie sich der Zuckerberg-Konzern das vorstellt. Der Kläger (Facebook-Nutzer) habe vielmehr einen Anspruch darauf, dass man seine zulässige Meinungsäußerung nicht gegen seinen Willen löscht. Wer jetzt glaubt, der Kommentator habe um die Wette gehetzt oder sein Gegenüber beleidigt, könnte falscher nicht liegen. Die Klägerin bzw. der Kläger schrieb lediglich:

„ (…) Gar sehr verzwickt ist diese Welt, mich wundert’s daß sie wem gefällt. Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Wusste bereits Wilhelm Busch 1832 zu sagen : – D Ich kann mich argumentativ leider nicht mehr mit Ihnen messen, Sie sind unbewaffnet und das wäre nicht besonders fair von mir.“

Lesetipps September 2018

Laut der einstweiligen Verfügung gegen die Facebook Ireland Limited durfte das ach so „soziale“ Netzwerk den Kommentar nicht von seiner Plattform entfernen. Der Kläger darf wegen einer erneuten Einstellung dieses Kommentars folglich nicht von Facebook gesperrt werden. Sollte das Unternehmen dagegen verstoßen, droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 € oder alternativ eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten. heise online hostet das Original des Urteils freundlicherweise als PDF-Dokument, sollte sich jemand die Begründung des OLG München einmal näher anschauen wollen…

Ich sage ja immer: Beleidigt Euer Gegenüber. Aber tut es bitte mit Niveau, dann muss ich das nicht löschen! Die restlichen Zuschauer wollen doch auch etwas zum Lachen haben. Und so ist der Kommentar weg, die Aufregung groß und außerhalb des Boxrings wird niemand mehr unterhalten. Gut, aufgrund der fehlenden PR-Abteilung gibt es bei uns keine schöngefärbten Community-Richtlinien, sondern ein kleines und höchst simples Regelwerk für Kommentare, für das sich sowieso kaum jemand interessiert.

Gut, lassen wir das frustrierende Thema besser ruhen. Nächste Woche gibt’s neue Lesetipps auf die Augen und Ohren. Haltet selbige bis dahin steif!

Euer:

Lars Sobiraj aka Ghandy.

Beitragsbild von Toa Heftiba @ unsplash.com, thx! (CC0 1.0)

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.