Lesetipps vom 07.12.2018

Unsere heutigen Lesetipps: Mr. Facebook aka Mark “SuckerBergh” will gar nicht die Welt retten, sondern nur Kohle scheffeln? Die Blockchain ist nicht der Weisheit letzter Schluss? Tumblr will bei sich alle T*tten rauswerfen? Doch der Reihe nach …

 

Facebook: Die wertvollen Daten an die Sonne – oder der Zugriff ist weg!

Der Guardian brachte kürzlich eine Story, die es wahrlich in sich hat. Sie ist aber nicht sonderlich verwunderlich. Demnach ist Mark Zuckerbergs Gerede über Facebooks positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft nicht mehr als reines PR Geblubber. Das britische Parlament hat vorgestern ältere E-Mails veröffentlicht, die das Image des angeblich ach so sozialen Netzwerks beschmutzen werden. Im Jahr 2012 ging es der FB-Geschäftsleitung offenkundig ausschließlich darum, Geld zu verdienen. Bei einer Diskussion Zuckerbergs mit dem App Entwickler Six4Three bestand er auf den vollen Datenzugriff durch sein Unternehmen, sollte jemand die Vorlieben seiner Nutzer auswerten und dadurch aufwerten wollen.

Okay. Geld verdienen zu wollen, ist für einen Konzern nachvollziehbar. Doch andere Firmen versuchen sich in der Öffentlichkeit nicht selbst als Weltverbesserer mit hehren Zielen anzupreisen. Die geben offen zu, dass es ihnen letztlich nur um den schnöden Mammon geht. Sehr frei übersetzt schrieb der Facebook CEO an Six4Three: Ein freier Zugriff auf die Daten durch Euch App-Entwickler mag ja gut für die Welt sein. Aber solange wir nix davon haben, kriegt ihr auch rein gar nichts! Es soll sogar Überlegungen gegeben haben, App-Entwickler für den Daten-Zugriff bezahlen zu lassen. Wir erinnern uns: 2012 ging es für das Unternehmen ums Ganze. In den Folgemonaten des Börsengangs wollten die Anleger hohe Profite sehen, ansonsten hätte man die FB-Aktie einfach wieder fallengelassen.

Facebook reagierte auf die Veröffentlichung hochgradig pikiert. Das Cherrypicking bei der Auswahl der Dokumente schaffe einen völlig falschen Eindruck, um Facebook in ein schlechtes Licht zu rücken, hieß es. Facebook konnte sogar die Veröffentlichung innerhalb der USA verhindern, wie die futurezone berichtet. Wer (noch mehr oberflächliches PR-Gelaber) das offizielle Statement von Facebook lesen will, kann das hier gerne tun. Ihr könnt es aber besser bleiben lassen.

Tumblr will keine T*tten mehr erlauben

Wie, ihr wisst nicht was die Abkürzung NSFW bedeutet? Ganz einfach, das sind Inhalte, die man sich auf dem Arbeitsplatz besser nicht anschauen sollte. Nun ja, außer man ist darum bemüht, innerhalb der Firma als Spanner oder noch schlimmer angesehen zu werden. Die Geschäftsleitung des Blog-Netzwerks Tumblr will nicht mehr zu viel nackte Haut tolerieren. Ab dem 17. Dezember soll auf den Blogs der Teilnehmer alles gelöscht werden, was den Betreibern nicht in den Kram passt. Die EFF hat sich deswegen schon vergeblich aufgeregt. Und auch bei Twitter gab es einen größeren Shitstorm, der allerdings auch folgenlos blieb. Wie jetzt.de berichtet, wurden bei Tumblr einige Grafiken und Fotos zum Löschen vorgemerkt, die mit der Abkürzung Not Safe For Work so gar nichts gemeinsam haben. Oder sollte man dem armen Garfield besser ein Kleidchen verpassen, damit er nicht auch von Tumblr verschwindet? Das erinnert mich daran, dass man bei einem sozialen Netzwerk nie Herr seiner eigenen Inhalte ist, sondern immer der Portal-Betreiber. Machen was im Rahmen der Gesetzgebung erlaubt ist, kann ich nur, wenn ich selbst Herr meines eigenen Blogs oder meiner eigenen Webseite bin. Punkt.

1x vorweihnachtlich gähnen, bitte: der Adventskalender von Digitalcourage

Alle Jahre wieder – die Bielefelder NGO Digitalcourage öffnete am 06. statt am 01. Dezember die Türchen zu ihrem diesjährigen Adventskalender. Hinter den Türen findet man nicht etwa ein kostenloses Jahresabo eines VPN-Anbieters wie bei chip.de, sondern “praktische Tipps zur digitalen Selbstverteidigung“. Ja, ja, nette Idee. Zumindest war sie das wohl vor ein paar Jahren. Aber es bleibt zu befürchten, dass die meisten Besucher, sollten sie überhaupt den Weg zu dieser Seite finden, augenblicklich ihren Mund zum Gähnen öffnen. Warum? Viele Menschen interessiert es schlichtweg nicht, ob sie überwacht, ausgeforscht oder ihr Nutzungsverhalten verkauft wird. Das juckt sie nicht mal, wenn man einen ihrer Accounts hackt und die Cyberkriminellen dann “dank” des Standardpassworts Zugriff auf alle Zugänge dieser Person haben. Schade um die nette Idee von Digitalcourage.

Halten wir mal fest: Wer Interesse wecken will, muss etwas verschenken oder zumindest den Preis eines Produkts senken. Sonst erlahmt die Begeisterung vieler Surfer sehr schnell. Also doch lieber rüber zum Adventskalender von Chip.de? Nein, die dortige Musik nervt unglaublich, selbst wenn es täglich eine “Software-Vollversion” der Werbepartner für lau auf die Festplatte gibt. Bäh. Lieber den Tab ganz schließen, dann kommt auch nichts mehr ungewollt aus den Lautsprechern.

 

Blockchain, Token & der BTC – geht alles den Bach runter?

BTC SelbstmordNicht vorenthalten möchte ich Euch bei unseren Lesetipps einen Artikel vom Register. Laut einer aktuellen Studie sollen 43 von 43 getesteten Blockchain-Lösungen den Kunden überhaupt nichts bringen. Ich will nicht alles vorwegnehmen, aber die Ergebnisse der Untersuchung sind geradezu verheerend.

Dazu passt leider zu gut eine andere Studie von vor ein paar Wochen, die gezeigt hat, dass ca. 90 Prozent der Token nach dem Copy- & Paste-Verfahren erstellt wurden. Diese wurde veröffentlicht von Netta Lab in Zusammenarbeit mit Forschern der Xi’an Jiaotong Universität. Das Fazit der Wissenschaftler? Die allermeisten Programmierer haben einfach den Großteil des Quellcodes eines anderen Coins übernommen. Danach hat man dem Baby einen neuen Namen gegeben. Fertig war der neue Wunder-Coin. Sind dezentrale Währungen schlecht? Antwort: Nein, es kommt auf den Inhalt an! Wenn die Coins regelrecht geklont wurden, darf man folglich auch nicht von einer innovativen Technik sprechen.

Tja, und die Kurse. Ach, nein, sprechen wir lieber von was anderem. Die meisten Kurse der Kryptowährungen gehen weiter den Bach runter. Das war heute auch Thema in unserem Telegram Kanal. Grund zur Freude hatte beim Chat lediglich ein Ripple-Liebhaber, weil dessen Kurs nicht wie die vieler anderer Kryptowährungen wie Steine vom Himmel gefallen sind. 

 

And now something completely different

Steve Cutts hat einen wunderschönen und gleichzeitig höchst tiefgründigen Kurzfilm veröffentlicht. Bei “Happiness” geht es um Mäuse, nicht um Lemminge. Auch wenn man das nach den ersten Sekunden der Animation denken könnte. Aber eigentlich geht es um das Verhalten von uns Menschen. Nein, mehr verrate ich jetzt nicht. Wer eine ausführlichere Analyse braucht, kann sie sich hier in englischer Sprache reinziehen. Ich mag die letzte Szene von Happyness am meisten. Aber sie ist auch die deprimierendste von allen. Vorhang auf:

Von Mäusen und Menschen – Happiness von Steve Cutts.

 

So, das war es auch mal wieder mit den Lesetipps nach einer längeren Pause. Weiterhin viel Spaß beim Lauschen, Stöbern & Lesen!

 

Beitragsbild Elijah O’Donnell, thx! (CC0 1.0)

"Lesetipps vom 07.12.2018", 5 out of 5 based on 6 ratings.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

Vielleicht gefällt dir auch

0 Kommentare

    Kommentieren unter tarnkappe-forum.info