Julian Assange: Internet-Zugang für WikiLeaks-Gründer gesperrt

Julian Assange hat nach Angaben von WikiLeaks kein Internet mehr. In der Londoner Botschaft von Ecuador sei der Netzzugang gekappt worden.

Julian Assange, Wikileaks, Mauer
Julian Assange Bildnis auf der Abode of Chaos - Foto: Thierry Ehrmann, thx! (CC BY 2.0)

Julian Assange, der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, hat nach Angaben seiner Organisation kein Internet mehr. In der Londoner Botschaft von Ecuador, in der Assange im Juni 2012 Zuflucht gefunden hat, sei der Netzzugang gekappt worden. Dies sei am Samstag (15.10.2016) erfolgt, „kurz nach Veröffentlichung der Reden von Frau Clinton bei Goldman Sachs“, twitterte WikiLeaks:

Wikileaks: Ecuador dreht Assange das Internet ab

„We can confirm Ecuador cut off Assange’s internet access Saturday, 5pm GMT, shortly after publication of Clinton’s Goldman Sachs speechs.“ — WikiLeaks (@wikileaks) 17. Oktober 2016

Weiterhin hieß es: „Julian Assange’s internet link has been intentionally severed by a state party. We have activated the appropriate contingency plans.“

Ungeachtet dieser Einschränkung setzte Wikileaks die Serie der Podestamails fort, mit denen die interne Kommunikation von Mitgliedern der US-amerikanischen Demokraten veröffentlicht wird. Ecuador selbst hat nur mitgeteilt, dass Assanges seit 2012 gewährte politische Asyl aufrechterhalten wird. Weitere Details nannte man nicht, auch keine mögliche Begründung. Eine offizielle Stellungnahme durch das ecuadorianische Außenministerium steht noch aus.

Hintergrund

Im Dezember 2010 sollte der WikiLeaks-Gründer in London wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von zwei Schwedinnen nach Stockholm ausgeliefert werden. Im Juni 2012 floh Assange in die Botschaft von Ecuador und beantragte politisches Asyl. Assange bezeichnet die Vorwürfe gegen ihn als Teil eines Komplotts und er befürchtet nun, infolge seiner Tätigkeit für WikiLeaks an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihn kein fairer Prozess wegen Geheimnisverrats erwarten würde. Seit 2012 hat Assange die ecuadorianische Botschaft in London nicht mehr verlassen.

WikiLeaks veröffentlicht Geheimdokumente, die nach Meinung der Betreiber von öffentlichem Interesse sind. Zuletzt sorgte die Plattform mit Veröffentlichungen im Rahmen des US-Wahlkampfes für Aufsehen: Sie publizierten E-Mails, die aus einem Hackerangriff auf das Konto von John Podesta stammen sollen, dem Wahlkampfleiter der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Hinter dem Angriff vermutet man in den USA Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst.


Hillary Leaks verärgeten Ecuador

Bei der Ankündigung von neuen Veröffentlichungen über Hillary Clinton hatte Assange Anfang Oktober bestritten, dass er die Demokratin im Wahlkampf schwächen wolle. „Es heißt immer, ich wolle Clinton schaden. Das ist falsch“, sagte Assange. Die Veröffentlichungen seien „von signifikanter Bedeutung für die Wahlen“, antwortete der Aktivist auf die Frage, ob die neuen Informationen die demokratische Präsidentschaftskandidatin „zerstören“ werden.

Für Julian Assange in der Londoner Botschaft ist das Internet die wichtigste Kommunikations- und Informationsquelle. Die Internet-Verbindung nutzte er unter anderem für Auftritte auf Konferenzen. Wikileaks kann Assange ohne Internet nicht leiten.

Auch Edward Snowden äußerte sich per Twitter zu dem Fall wie folgt:

„No matter your opinion of @Wikileaks or Assange, censorship is never the answer.“

„The foundation of a free society is our willingness to defend the rights of even those with whom we disagree. Popular words need no defense.“

Update

Ecuadors Außenministerium hat die temporäre Sperrung des Internetzugangs für WikiLeaks-Gründer Julian Assange bestätigt – und mit den Veröffentlichungen über US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton begründet. „Die Regierung Ecuadors vertritt den Grundsatz der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder, sie mischt sich nicht in Wahlprozesse ein, und sie unterstützt keine bestimmten Kandidaten“, teilte das Ministerium mit.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.