Von Einem der auszog, ganz allein ein Buch zu veröffentlichen

Kommentar von XB Liebiger:
Das wundert Sie?
Dann lesen Sie doch bitte einfach mal, was Sie bisher so geschrieben haben. Bei mir ist da leider nicht viel sinnvolles hängengeblieben.
Ich erinnere nur an die Auslassungen über Studien und Indiefilme.

Sie treffen auch den Punkt leider nicht. Thomas Elbel hat es doch nun schon wiederholt gesagt. Es ist wurscht, ob mit oder ohne DRM. Es ist egal ob der Preis lächerlich gering ist. Das ist alles egal. Dritte machen damit trotzdem einen Reibach und zwar ohne die Autoren zu beteiligen.
Diese Modelle gibt es, weil es für die Betreiber ein Geschäft ist.
Das ist der Kern.
Alles andere wie das Gerede von neuen Geschäftsmodellen sind Nebelkerzen. Das bewahrt keinen Autoren vor digitaler Hehlerei.

FlattR (wo Per Sunde dann zum zweiten Mal nach TPB die Hand aufhält) all das funktioniert nicht. Vielleicht noch nicht, aber ich kenne keinen Fall wo FlattR funktioniert hat.
Lesen Sie mal die Bettelei auf Netzpolitik.org. Nicht mal die Netzies spenden dort genug.
Ja, wir Menschen sind so - leider. Bezahlen sollen lieber andere, man selber erst mal nicht. Und weil das so ist, gibt es an ganz vielen Stellen im realen Leben Kassen. Verwunderlich oder? Nein, ganz und gar nicht.

Kommentar von XB Liebiger:
Mathias Wenzel,

Das wurde alles schon durchdacht.
Scheitert nur daran, dass niemand bereit ist für seinen Internetzugang nicht monatlich 19,95 sondern das 20 bis 30 fache zu bezahlen. Die Grünen haben es Fairneßpauschale getauft und vorgerechnet, dass man das für 8 Euro im Monat machen kann. Wahnsinn.

Das neue Iphone für 800 Euro, kein Problem.
Jedes andere Gadget für viel Geld, kein Problem.
Mobilfunkvertrag für 600 Euro im Jahr, kein Problem.

Aber für so etwas zahlen? Problem.

Kommentar von morgenstern:
@robin: PayTV wird gehackt, sofern möglich.
Eine ethische Diskussion gibt es vermutlich nicht oder nur in kleinem Rahmen, da die PayTV-Sender nicht darüber diskutieren und die Hacker somit keinen Anlass haben.

Kommentar von does not care:
Nachdem Sie ja bereits wissen, dass andere Modelle nicht funktionieren, haben Sie also alle ausprobiert? Zu Flattr fällt mir übrigens Herr Tim Prittlove ein, der irgendwann mal erwähnte, dass die Einnahmen von Flattr durchaus jeden Monat erträgliche Summen bringen. Reicht nicht zum überleben, aber es ist deutlich mehr, als Sie vermuten würden.

Kommentar von does not care:
Ja, selbstverständlich kaufe ich was mich interessiert. Wieso sollte ich auch nicht kaufen? Und was für eine Rolle spielt das in der Diskussion?

Kommentar von XB Liebiger:
dnc: Sie bedienen nach und nach so ziemlich alle Klischees.
Ich habe hier Dejavus als würde ich die Kommentare bei Torrentfreak lesen.
Da stehen dann auch solche Blüten wie: Ich sehe gar nicht ein, dass ich für solche Schrottfilme zahlen soll.

Nein, mache ich auch nicht, ich sehe sie mir gar nicht erst an. Und weil ich sie nicht sehen will, muss ich mir auch nichts laden.

Bin gespannt, was da noch so kommt.

Kommentar von Hartmut Noack:
Genau, für ca. 90% des Angebots braucht man das nicht.

Wenn etwas so herausragend ist, dass ich ihm mehrere Stunden meiner Zeit widmen will, dann ist es mir auch egal, was es kostet. Allenfalls bevorzuge ich den Einkauf in einem Onlinestore, weil das bequem und schnell geht. Da mich Google Play weder mit DRM noch mit dem Zwang zu einem bestimmten Abspielgerät nervt, mache ich das eben.

Aber normalerweise kaufe ich ein Buch auf Papier oder eine Platte oder eine Kinokarte oder eine DVD/Bluray. Solange der Preis erträglich ist, ist das die bequemste und angenehmste Art, zu Medien zu kommen.

Das Kriterium ist nicht, ob ich es haben will, sondern ob ich meine Zeit damit verbringen will. Und das bedeutet natürlich auch, dass mir kostenlose Downloads normalerweise egal sind, weil ich die paar Sachen, die so gut sind, dass ich meine knapp bemessene Zeit für sie verbrauche, auch locker kaufen kann.

Kommentar von sigmundo:
um ehrlich zu sein, mo, komme ich tatsächlich nicht wirklich zum bücher schreiben, weil das bloggen meine ganze zeit frißt… :wink:
arbeit interessiert mich gar nicht, geld bedingt, und zwar als geregelter cashflow. noch mehr interessieren mich leute, die sich ein solches einkommen „erarbeitet“ haben, indem sie inhalte kostenlos teilen. der hier z.bsp.: https://www.golem.de/0904/66404.html

Kommentar von Hartmut Noack:
@XB Liebig Zitat: „Das wurde alles schon durchdacht.
Scheitert nur daran, dass niemand bereit ist für seinen Internetzugang nicht monatlich 19,95 sondern das 20 bis 30 fache zu bezahlen.“

Das 20fache ja? das wäre, sehr grob über den Daumen so um die 200 Milliarden E im Jahr… Wieviel wollen Sie denn selber davon Herr Liebig? Rechnen wir mal weiter:

90.000 Bücher erscheinen pro Jahr in Deutschland, wenn es zu jedem dieser Bücher einen Autor gibt, der was haben will und wenn es noch mal genauso viele Musikalben und Filme sind, wäre das 200.000 Leute, die was bekommen könnten.

Dann wäre für jeden einzelnen eine schöne runde Million Internetanschlusspauschalzuwendung drin… pro Jahr. Wäre das dann OK für Sie, Herr Liebig? Dann könnten Sie sich endlich auch so ein glitzerndes IDings kaufen und mit den anderen IDingskonsumenten noch mal für 2-3000 E im Jahr triviale Allerweltssoftware und Musikstücke und Filmchen bei ITunes damit kaufen.

Ich bitte das Vitriol zu entschuldigen aber irgendwie habe ich mich über diese „das 20fache“ Bemerkung wirklich geärgert. Können wir nicht ein kleines bisschen sachlich diskutieren?

Kommentar von robin:
Es kommt, was halt immer so kommt. Jedenfalls sicher nichts Neues mehr.

Piratenlogik ist mittlerweile ein behäbiges und in sich geschlossenes Glaubenssystem. Austausch und Abgleich mit der Aussenwelt sind nicht mehr erwünscht.

Verbal ist man stets edel, hilfreich und gut, man ist der Menschheit als Großes Ganzes und den schönen Künsten insbesondere über äußerst zugetan, man ist allerdings nicht Kunde, Gott bewahre, nein, man ist Gönner!

Ein stolzer Micro-Payment-Mäzen, väterlicher Freund ‚seiner‘ Künstler, jemand, der nicht mit digitaler Aufmunterung und Empfehlung durch Weitergabe spart, wenn es denn was weiterzugeben gibt.

Dafür muss ein Künstler aber mindestens erstmal ein paar gratis Hauskonzerte abliefern oder seine gesammelten literarischen Werke unaufgefordert vor die digitale Schlosstür stellen - man will ja schließlich wissen, wem man so großzügig seine Gunst gewährt, mit wem man vor dem Endgerät seine zwar reichlich vorhandene, aber aufgrund des medialen Überangebots letztlich doch klug einzuteilende Freizeit verbringt.

Sein Geld soll ein Künstler allerdings bitte irgendwo draußen verdienen - idealerweise als Tanzbär, der während seine Kunst irgendwo rumliegt oder läuft, ein paar Tricks zum Besten gibt. Schriftstellern empfiehlt sich, zu Mehreren einen Kleinbus mit Schlafmöglichkeit zu mieten und lesenderweise über die Dörfer zu ziehen. Neue Geschäftsidee: Ein Schild auf dem steht ‚Sobald wir 100,- zusammen haben halten wir die Klappe und ziehen weiter‘. Das läuft bestimmt! Musiker bieten derweil allerlei Trödel aus dem Bauchladen an und singen ab einem Abverkauf von ca. 10,- Euro dem glücklichen Käufer ein persönliches Lied. So muss das laufen zwischen Künstlern und ihren digitalen Gönnern an den Endgeräten. ‚Know thy place!‘ Für Künstler gilt: ‚Gehe nicht zu Deinem König, wenn Du nicht gerufen wirst!‘

In der Praxis ist eine derart innige Beziehung natürlich nur solange haltbar, wie sie nicht mit irgendwelchen persönlichen Unannehmlichkeiten oder Befindlichkeitsstörungen auf Seiten des Gönners einher geht. Dazu zählen in erster Linie

das Warten auf neue Produkte ( Giftklasse 1 )

und

das Bezahlen von Nutzungsentgelten, die den Aufwand für eigenes, digitales Vervielfältigen aus illegalen Quellen merklich übersteigen.

Dies sind die Grundpfeiler des piratischen Glaubensbekenntnisses. Wer ihnen als Künstler nicht bedingungslos zustimmt und sich ihnen ebenso bedingungslos unterwirft, der verliert augenblicklich die Protektion der Digitalbruderschaft. Damit einher geht natürlich der Verlust des längerfristig in Aussicht gestellten käuflichen Erwerbs eines Exemplars als Holz- oder E-Buch bzw. der angedachte Besuch eines Livekonzertes. Hier muss man leider ganz und gar kompromisslos durchgreifen, denn würde man von diesen Grundsätzen auch nur ein Jota abrücken, ginge

a) sofort das Internet kaputt

und hätte

b) die Menschheit ihre in reiner Liebe zur Kunst begründete kulturelle Zukunft endgültig auf dem Altar schnöden Mammons geopfert - woran man natürlich keinesfalls schuld zu sein gedenkt.

Der perfekte Selbstbetrug also, von der Community eifrig gestützt und mit Zähnen und Klauen verteidigt.

„Live warm, fuzzy and ignorant and be always well entertained ;-)“

amen

Kommentar von Zeitlos:
Genau da ist der Denkfehler. Nur weil jemand illegal an eine kostenlose Pizza kommen kann, heißt das noch lange nicht das, wenn diese kostenlose illegale Methode nicht gegeben ist, dieser jemand dann eine Pizza kauft. Vielleicht gibt er sein Geld dann für Pommes aus.

Leider haben viele Menschen nun mal kein oder nur ein geringes Unrechtsbewußtsein was Urheberrechtsverletzungen angeht.
Gleichzeitig gibt es viele Menschen, welche zu einem kostenlosen Produkt nicht nein sagen. Dabei ist es egal ob sie dieses Produkt überhaupt nutzen wollen/können oder nicht. Die Hauptsache ist der Besitz.

Kombiniert man diese beiden Eigenschaften erhält man eine nicht geringe Zahl „Raubkopierer“ die Sammeln ohne ihre Sammlung tatsächlich zu konsumieren.

Dabei ist es unerheblich ob es sich um Spiele, Musik, Filme oder eben Bücher handelt. Viele dieser „Sammler“ können diese Sachen schon rein rechnerisch nicht konsumieren, weil die Lebenszeit begrenzt ist, trotzdem gibt es sicher viele, die genug Material für zwei, drei oder vier Leben angesammelt haben.

Deren Intention kann also nicht sein das sie etwas für das sie tatsächlich Geld ausgeben würden auf illegalem Weg kostenlos zu beschaffen.

Nehmen wir also ihr Buch als Beispiel und sagen das Buch ist 200000 mal illegal heruntergeladen worden. Gäbe es nun keine Möglichkeit es illegal herunterzuladen würden wahrscheinlich 1000 - (von mir aus auch) 5000 dieser Leute ihr Buch kaufen. Auf keinen Fall werden es die 200000 sein und höchst wahrscheinlich nicht einmal 50000.

Kommentar von bostero:
Zur Frage der Umsatzverluste durch Piraterie

Auf die Frage von … paul and mary:

„Herr Professor, haben sie mal versucht rauszufinden, wieviel Bücher sie ohne illegalen Download verkauft hätten?
5100?“

antwortet Herr Elbel:

„Laut einschlägiger Statistiken ein mehrfaches von 5000, da die illegalen Downloads ein mehrfaches der legalen Verkäufe betragen sollen.“

Danach soll es „einschlägige Statistiken“ geben, die belegen oder zumindest ausweisen, dass illegale Downloads ein mehrfaches der legalen Verkäufe betragen.

Mathematisch ergäbe sich daraus, dass die illegalen Downloads mindestens das 2-fache der legalen Verkäufe betragen würde.

Bei 5000 verkaufter Bücher müsste man von mindestens 10000 heruntergeladenen Bücher ausgehen.

Wir wollen hier festhalten, dass es die „einschlägigen Statistiken“ nicht gibt.

Herr Elbel behauptet ferner:

„aber seriöse Statistiken gehen von einer Substitutionsrate von 10-30% je nach Studie aus“

Hierzu ist festzustellen, dass es durchaus Studien gibt, die zum Ergebnis kommen, dass bei illegalen Downloads von Musik die Ersatzraten 10% bis 30% betragen würden.

Ungeachtet der Frage der Wissenschaftlichkeit dieser Studien, ist festzuhalten, dass es im Bereich „Bücher“ keine derartigen Studien gibt.

Hierzu stellen Bonik/Schaale (vgl. Gutenberg 3.2 – The costs of piracy 01.10.2012- Market Study (English), URL: folgendes fest:

„The only unknown parameter is the replacement rate that defines how many books are downloaded to replace one actual sale. The music industry assumes a replacement rate of 30%. That seems high in our opinion. We assume in the calculation a replacement rate of 1%.“

Dieses Ergebnis gründet auf einer Fallstudie, die sie in ihrer Veröffentlichung „Gutenberg 3.0 – Ebook-Piraterie in Deutschland“ (URL: 3.0-Ebook_Piraterie_in_Deutschland.pdf) vorgestellt haben und wie folgt resümiert haben:

„Es ist offensichtlich, dass nicht jeder Download einem entgangenen Verkauf entspricht (auch wenn das manchmal sogar aus Fachkreisen zu hören ist). Wir nehmen hier den sehr konservativen Wert von 1% (sog. Ersatzrate) an: Bei hundert heruntergeladenen Büchern wird demnach nur ein echter Verkauf nicht getätigt.“

Ausweislich der Fallstudie bezieht sich dieses Ergebnis ausschließlich auf Fachbücher.

Welche Ersatzrate bei belletristischer Literatur bestehen soll, wird auch von diesen Autoren nicht untersucht und ansatzweise belegt.

Nach den Ausführungen in Gutenberg 3.1 (URL: soll in diesem Bereich nunmehr eine bessere Abschätzung möglich sein:

„Dank aktuell veröffentlichter Zahlen in [https://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/07/25/schwachbruestige-buecher.htm] kann man nun eine wesentlich bessere Abschätzung des Einflusses der Ebook-Piraterie auf die entgangenen Verkäufe durchführen. Danach gab es im Bereich der belletristischen Bestseller im 1. Halbjahr 2011 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010 folgende Veränderungen: Der gesamte Umsatz im Bereich des stationären Buchhandels ging um ca. 3% zurück. Gleichzeitig meldete man in [https://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/07/25/schwachbruestige-buecher.htm] im Speziellen folgende Umsatzentwicklungen (im Bereich der Bestseller):

  • Top-3-Bestseller: 27% Umsatzrückgang
  • Top-30-Bestseller: 29% Umsatzrückgang“

Es kann hier dahingestellt bleiben, welche Schlussfolgerungen daraus tatsächlich gezogen werden können, denn Herr Elbel könnte für sich daraus nichts herleiten, da er (noch) kein Bestseller-Autor ist.

Im Gegensatz von Herrn Elbel haben die Autoren Bonik/Schaale schon folgendes erkannt:

„Rein methodisch ist es weder möglich, die exakte Anzahl von illegalen Downloads zu bestimmen, noch die daraus resultierenden „Nicht-Käufe“ der entsprechenden Bücher abzuschätzen.“
(URL: 3.0-Ebook_Piraterie_in_Deutschland.pdf)

Nach alledem könnte die Antwort auf die Frage von … paul and mary lauten:

Herr Elbel hätte bei 5000 verkaufter Bücher ohne illegalem Download 50 Bücher mehr verkauft.

Kommentar von bostero:
Erratum:

Statt:
„Herr Elbel hätte bei 5000 verkaufter Bücher ohne illegalem Download 50 Bücher mehr verkauft.“

muss es natürlich heißen:

„Herr Elbel hätte bei 5000 heruntergeladenen Bücher ohne illegalem Download 50 Bücher mehr verkauft.“

Kommentar von Thomas Elbel:
Wie funktioniert denn dies effiziente Vorgehen gegen KiPo und warum kann man dann nicht genauso gegen Filesharing vorgehen. Es geht doch immer nur um das Thema Dateitransfer!???
Mord ist ein Mittel der Konfliktbewältigung und Filesharing nicht??? Also wenn bei Ihnen die Tötung des Menschen Konfliktbewältigung zwischen Mörder und Opfer ist (so verstehe ich es wenigstens) dann ist Filesharing für mich die Konfliktbewältigung zwischen Produzent (will Geld) und Konsument (will nicht zahlen). Und nu?
Mikes Frage, ob man nun alles bedienen muss, was nachgefragt wird, hast Du auch nicht wirklich beantwortet.

Kommentar von Thomas Elbel:
@Does not care
Das Thema Kulturflatrate ist rechtswissenschaftlich und ökonomisch bereits hinreichend durchgekaut. Bitte lies das Rechtsgutachten von Gerald Spindler für die Grünen (online zum Download im Internet), meine Gegenäußerung dazu in der „Kommunikation und Recht“ (in jeder gut sortierten Unibib) und seine Gegenäußerung dazu (dito). Derzeit ist eine Kulturflatrate aus den verschiedensten Gründen nicht machbar. Knapp gesagt: Zu teuer, zu komplex, EU-rechtswidrig, m.E. auch nicht verfassungskonform und politisch nicht durchsetzbar.
Und die Frage, die Du selbst zu Recht aufwirfst ist wie das denn dann die illegalen Quellen beseitigen soll.

Kommentar von Thomas Elbel:
@Morgenstern
„Als anonymer Autor, der nur seine 8 Stunden schreiben möchte, um dann Feierabend zu machen, …“
Jetzt musste ich herzlich lachen. Nochmal 99% aller Autoren in Deutschland können es sich angesichts der „grandiosen“ Verdienstmöglichkeiten überhaupt nicht leisten, Vollzeit zu schreiben, wie Sie offensichtlich denken. Der Satz müsste also lauten:
„Als anonymer Autor, der nach 8 Stunden Arbeit, Kindern und Haushalt seinen Feierabend verbrät, um zu schreiben …“
Sicherlich haben Sie recht, wenn Sie sagen, dass der Buchmarkt auf mich und Herrn Wenzel auch gut verzichten kann. Allerdings wird eine solche Betrachtungsweise dem Gesamtphänomen nicht gerecht. Was bewirkt Buchpiraterie wirklich, und zwar generell betrachtet? Meine Antwort ist: Preisdruck. Die ständige Konkurrenz des kostenpflichtigen Angebots mit seinem kostenlosen Klon setzt das kostenpflichtige Angebot unter Dauerdruck. Wer ist besser gerüstet, diesen Druck langfristig zu überstehen? M.E. Bestsellerautoren und Großverlage. Kleinverlage und Autoren im mittleren Segment sind am schlechtesten gerüstet, mit diesem Druck umzugehen; das ist ökonomisches Trivialwissen. Piraterie wird also über kurz oder lang einen Buchmarkt erzwingen, in dem es nur noch die tradierten großen Fische gibt. Spiegelbest lügt, wenn er sagt, dass er einen Kampf gegen die Großen führe. Tatsächlich trifft sein Krieg zuerst die Verletzlichsten, also die Kleinen. Frage ist, ob wir so ein Zukunftsszenario wollen.
Ich will außerdem folgendes zu bedenken geben. Wenn ich heute in mittelmäßiger Autor bin, muss das ja nicht immer so bleiben. Wie in jedem Beruf, wird man mit Zeit und Erfahrung besser. Selbst Shakespeare hat mit „Titus Andronicus“ nicht auf dem Niveau begonnen, für das er später so berühmt war.
Also ist es kurzsichtig, die Welt in schlechte Autoren (können vom Filesharing ruhig dahingerafft werden; braucht man sowieso nicht) und gute (kann sowieso nichts umwerfen) einzuteilen. Ich bin zwar wie gesagt nicht der Meinung das Filesharing das Potenzial hat den Kulturbereich zu zerstören. Allerdings gibt es im Entwicklungsprozess vieler Autoren auch Phasen, wo jeder noch so kleine ökonomische oder emotionale Rückschlag das Potenzial hat, sie endgültig aus der Bahn zu werfen. In so einer Phase ist Piraterie auch nicht gerade eine Hilfe. Warum kann sich die Szene nicht wenigstens auf so etwas wie Welpenschutz verständigen? So lange so was nicht mindestens diskutiert wird, nehme ich den Piraten die ganzen moralisierenden Verbrämungen nicht ab. Spiegelbest kämpft nicht gegen Verlage, er bedient platte Gier. Für mich wäre es ja schon erfrischend, wenn die Szene sich einfach mal ehrlich machen würde und das einfach so zugeben könnte.

Kommentar von Thomas Elbel:
Das habe ich doch auch nirgendwo behauptet. Aber was tut das hier zur Sache? Ich wäre mich schlicht gegen die pauschale Unterstellung, meine Bücher seien „schlecht“, wohinter wiederum die platte Absicht steckt, meine Diskussionsbeiträge als Gejammer eines minderbegabten Schreiberlings abzuqualifizieren, der nur auf der Suche nach einem Sündenbock für seine selbstfabrizierte Misere ist.
Ich weiß nicht, wie oft ich es noch wiederholen soll: Ich mache die Piraten für die Verkaufszahlen meiner Bücher nicht verantwortlich, weder im Guten, noch im Schlechten. Aber ich finde es unanständig Schriftsteller, die in ihre eigene Arbeit viel Zeit und Geld investieren, hinterrücks abzuzocken. Die ganze Rechtfertigungstirade der Piraten versagt in meinem Beispiel schlicht. Und damit frage ich mich immer und immer wieder: Mit welcher moralischen Berechtigung wird mein selbstpubliziertes Buch gefileshared? Können Sie mir das nun endlich beantworten?

Kommentar von Thomas Elbel:
Also noch mal Flatrate:
Eine Flatrate ist aus einer gewissen Perspektive ein Instrument um die Kosten der Nutzung einiger Intensivnutzer der Gemeinschaft der Durchschnitts- bis Wenignutzer aufzusozialisieren.
Ist das gerecht?
Und wer bestimmt die Höhe dieser Flatrate? Die Politik? Na dann Halleluja. Wer zieht sie ein? Wie wird sie verteilt? Kann Oma Ingeborch für ihre Memoiren dann auch berücksichtigt werden?
Tatsache ist, dass heute immer noch eine Mehrheit der Menschen ihren Kulturkonsum, pro konsumierter Einheit bezahlt. Nur die Filesharer hätten das gern anders. Darf jetzt die Minderheit über die Mehrheit bestimmen?
Wer garantiert, dass der Einstieg in solche Flatratemodelle nicht einfach eine Verschleierung der ökonomischen Austrocknung des Kulturmarktes ist, der in Deutschland 8 Millionen Menschen in Lohn und Brot hält?

Kommentar von Thomas Elbel:
@Morgenstern
Wenn Sven Regener gerantet hätte, dass der „Kapitalismus uns ins Gesicht pinkelt“ hätten alle freundlich gelächelt, gedacht: „Ja, ja. Er hat so recht.“ und wären wieder zur Tagesordnung übergegangen.
@Hartmut
Sorry, aber Du widersprichst Dir selbst ein bisschen. Du hast nämlich recht, dass es in der Kohl-Republik paradoxerweise einfacher war, sich so irgendwie mit kreativer Arbeit durchzuschlagen, bis irgendwann vielleicht der große Erfolg kam. Heute ist es aus vielen Gründen sehr viel schwerer und Filesharing macht es nicht wirklich einfacher. Sie Thema Preisdruck … Ich habe dazu weiter oben schon was geschrieben.

Kommentar von Thomas Elbel:
Wo habe ich gesagt, dass ich das gut finde? Hören Sie doch bitte endlich auf, mir Aussagen zu unterstellen, die ich nicht getätigt habe. Ich bin übrigens absolut Ihrer Meinung, dass nicht alles was technisch möglich ist, auch moralisch einwandfrei ist und jetzt wenden Sie das mal auf Filesharing an.