Kommentar von bostero:
Zur Frage der Umsatzverluste durch Piraterie
Auf die Frage von … paul and mary:
„Herr Professor, haben sie mal versucht rauszufinden, wieviel Bücher sie ohne illegalen Download verkauft hätten?
5100?“
antwortet Herr Elbel:
„Laut einschlägiger Statistiken ein mehrfaches von 5000, da die illegalen Downloads ein mehrfaches der legalen Verkäufe betragen sollen.“
Danach soll es „einschlägige Statistiken“ geben, die belegen oder zumindest ausweisen, dass illegale Downloads ein mehrfaches der legalen Verkäufe betragen.
Mathematisch ergäbe sich daraus, dass die illegalen Downloads mindestens das 2-fache der legalen Verkäufe betragen würde.
Bei 5000 verkaufter Bücher müsste man von mindestens 10000 heruntergeladenen Bücher ausgehen.
Wir wollen hier festhalten, dass es die „einschlägigen Statistiken“ nicht gibt.
Herr Elbel behauptet ferner:
„aber seriöse Statistiken gehen von einer Substitutionsrate von 10-30% je nach Studie aus“
Hierzu ist festzustellen, dass es durchaus Studien gibt, die zum Ergebnis kommen, dass bei illegalen Downloads von Musik die Ersatzraten 10% bis 30% betragen würden.
Ungeachtet der Frage der Wissenschaftlichkeit dieser Studien, ist festzuhalten, dass es im Bereich „Bücher“ keine derartigen Studien gibt.
Hierzu stellen Bonik/Schaale (vgl. Gutenberg 3.2 – The costs of piracy 01.10.2012- Market Study (English), URL: folgendes fest:
„The only unknown parameter is the replacement rate that defines how many books are downloaded to replace one actual sale. The music industry assumes a replacement rate of 30%. That seems high in our opinion. We assume in the calculation a replacement rate of 1%.“
Dieses Ergebnis gründet auf einer Fallstudie, die sie in ihrer Veröffentlichung „Gutenberg 3.0 – Ebook-Piraterie in Deutschland“ (URL: 3.0-Ebook_Piraterie_in_Deutschland.pdf) vorgestellt haben und wie folgt resümiert haben:
„Es ist offensichtlich, dass nicht jeder Download einem entgangenen Verkauf entspricht (auch wenn das manchmal sogar aus Fachkreisen zu hören ist). Wir nehmen hier den sehr konservativen Wert von 1% (sog. Ersatzrate) an: Bei hundert heruntergeladenen Büchern wird demnach nur ein echter Verkauf nicht getätigt.“
Ausweislich der Fallstudie bezieht sich dieses Ergebnis ausschließlich auf Fachbücher.
Welche Ersatzrate bei belletristischer Literatur bestehen soll, wird auch von diesen Autoren nicht untersucht und ansatzweise belegt.
Nach den Ausführungen in Gutenberg 3.1 (URL: soll in diesem Bereich nunmehr eine bessere Abschätzung möglich sein:
„Dank aktuell veröffentlichter Zahlen in [https://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/07/25/schwachbruestige-buecher.htm] kann man nun eine wesentlich bessere Abschätzung des Einflusses der Ebook-Piraterie auf die entgangenen Verkäufe durchführen. Danach gab es im Bereich der belletristischen Bestseller im 1. Halbjahr 2011 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010 folgende Veränderungen: Der gesamte Umsatz im Bereich des stationären Buchhandels ging um ca. 3% zurück. Gleichzeitig meldete man in [https://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/07/25/schwachbruestige-buecher.htm] im Speziellen folgende Umsatzentwicklungen (im Bereich der Bestseller):
- Top-3-Bestseller: 27% Umsatzrückgang
- Top-30-Bestseller: 29% Umsatzrückgang“
Es kann hier dahingestellt bleiben, welche Schlussfolgerungen daraus tatsächlich gezogen werden können, denn Herr Elbel könnte für sich daraus nichts herleiten, da er (noch) kein Bestseller-Autor ist.
Im Gegensatz von Herrn Elbel haben die Autoren Bonik/Schaale schon folgendes erkannt:
„Rein methodisch ist es weder möglich, die exakte Anzahl von illegalen Downloads zu bestimmen, noch die daraus resultierenden „Nicht-Käufe“ der entsprechenden Bücher abzuschätzen.“
(URL: 3.0-Ebook_Piraterie_in_Deutschland.pdf)
Nach alledem könnte die Antwort auf die Frage von … paul and mary lauten:
Herr Elbel hätte bei 5000 verkaufter Bücher ohne illegalem Download 50 Bücher mehr verkauft.