Tarnkappe https://tarnkappe.info unter dem Radar Sun, 21 Jan 2018 18:45:27 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.2 Bitcoin: Zahlungsmittel verliert an Interesse für Ransomware-Erpresser https://tarnkappe.info/bitcoin-zahlungsmittel-verliert-an-interesse-fuer-ransomware-erpresser/ https://tarnkappe.info/bitcoin-zahlungsmittel-verliert-an-interesse-fuer-ransomware-erpresser/#respond Sun, 21 Jan 2018 18:45:27 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24699

Laut statistischer Auswertung des Proofpoint Q4 2017 Threat Reports, erstellt vom Sicherheits-Unternehmen Proofpoint, wären die derzeitig auftretenden, großen Schwankungen der Kryptowährungswerte die Ursache dafür, dass Ransomware-Entwickler zunehmend davon absehen, Bitcoin als Zahlungsforderung für ihre Erpressungen zu verwenden.

Völlig egal, ob sie über Dokumentenanhänge oder URLs von Entwicklern verteilt werden, Ransomware ist eine beachtliche Quelle an Schadprogrammen, die auf heimische Computer gelangen könnte. Sie bemisst sich immerhin mit 57% am Gesamtvolumen bösartiger Schadsoftware, wobei Ransomware eine Malware ist, die Computer infiziert, sperrt und dann von den Usern Geld dafür verlangt, ihn wieder zu entsperren.

Nun stellten allein im letzten Quartal des Jahres 2017 die Forscher einen Rückgang entsprechender Zahlungsanforderungen in Bitcoin um 73% fest: Wenn Cyberkriminelle Lösegeldbeträge erheben, um die Daten eines Opfers freizuschalten, verlangen mehr als zwei Drittel der Ransomware-Angreifer derzeit US-Dollar oder eine lokale Währung, als eine Summe in Bitcoin zu fordern, obwohl die Zahlungen selbst immer noch in Bitcoin erfolgen sollen, d.h., während auf Transfers per Kryptowährung gesetzt wird, gibt man nun die zu zahlenden Beträge in offiziellen Währungen an. Das ermöglicht den Bedrohungsakteuren, sowohl die Preisstabilität aufrechtzuerhalten, als auch ihre Zahlungen weiterhin anonym zu tranferieren.

Genau wie herkömmliche Verkäufer achten auch Ransomware-Entwickler sorgfältig auf Preisentwicklungen. Einige Kriminelle gewähren Rabatte, abhängig von Kundengruppen oder der Region, in der das Opfer lebt, z.B. bieten sie den Bewohnern von Entwicklungsländern günstigere Gebühren an. Ein solches sorgfältig abgestuftes Forderungssystem ermöglicht es letztlich den Erpressern, dass auf ihre Zahlungserwartungen vielfach eingegangen wird, indem sie Beträge verlangen, die noch hinreichend Gewinn versprechen, die aber auch nicht so hoch sind, dass die User lieber auf verlorene Daten verzichten.

Proofpoint wertet die Ergebnisse dahingehend aus, dass ein stark oszillierender Bitcoin-Preis, die von den Erpressern angestrebten Ziele unterlaufen würde: “Steigende Kryptowährungen sind ein Segen für Bitcoin-Besitzer. Sie sind jedoch eine Herausforderung für alle, die ihr Produkt oder ihre Dienstleistung mit Bitcoin bewerten möchten. In Q4 (im IV. Quartal) schienen Ransomware-Erpresser dies bereits zu berücksichtigen. Ransomware Sigma erschien erstmals Mitte November und verlangte eine Zahlung in US-Dollar.”, gibt Proofpoint bekannt.

Da derzeit allerdings die Bitcoin-Preise stark fallen, gäbe es eine Chance dafür, dass sich der Trend auch wieder umkehren könnte, bemerkt Proofpoint: “Egal, was passiert, die Korrelation ist ein weiterer Beweis für das Profitmotiv moderner Cyberkrimineller. Sie wählen die Werkzeuge und Techniken, die es ihnen am besten ermöglichen, dem Geld zu folgen”.

Bildquelle: QuinceMedia, thx! (CC0 Public Domain)

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Robert J. Shiller: Nobelpreisträger warnt vor dem Bitcoin https://tarnkappe.info/robert-j-shiller-nobelpreistraeger-warnt-vor-dem-bitcoin/ https://tarnkappe.info/robert-j-shiller-nobelpreistraeger-warnt-vor-dem-bitcoin/#respond Sun, 21 Jan 2018 14:50:15 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24694

Der an der Universität von Yale lehrende Wirtschaftswissenschaftler Robert J. Shiller warnt in einem aktuellen Interview des TV-Senders CNBC eindringlich vor dem Bitcoin. Dieser besitze keinen eigenen Wert und habe somit keine große Zukunft vor sich. Es könne schon bald zum Platzen dieser Finanzblase kommen, glaubt Shiller.

Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften geht davon aus, dass eines schönen Tages der Kurs des Bitcoin komplett in sich kollabieren wird. Der im Jahr 2013 ausgezeichnete Nobelpreisträger spricht nächste Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Genf. Hinter dem Bitcoin stecke eine wirklich „clevere Technik“, gibt Shiller zu. Der Kursverlauf erinnere ihn aber stark an die Tulpenmanie in den Niederlanden vor mehreren Hundert Jahren. Es gebe überall Blasen. Shiller glaubt, Dinge würden nur einen großen Wert besitzen sofern es Menschen gibt, die ihnen diesen Wert beimessen. Dies sei traditionell im Fall von Gold gegeben, bei Kryptowährungen hingegen nicht.

Doch für Kryptowährungen sei es dann nicht komplett vorbei. Seit dem Preisverfall im Jahr 1640 werden noch immer Tulpenzwiebeln verkauft, wenn auch nicht zum Preis eines freistehenden Hauses. Niemand könne sagen, wann genau der Preissturz der Kryptowährungen kommen wird. Es könne laut Shiller noch bis zu 100 Jahre dauern, bis sich die Geschichte der Tulpenmanie wiederholt. Auch danach wird man den Bitcoin erstehen können, allerdings nicht zu einem derart hohen Preis wie heute.

Robert J. Shiller wird sicher nicht der letzte Wissenschaftler sein, der öffentlich vor dem Bitcoin warnt. Auch die Deutsche Bank, die Investoren Warren Buffett und Dan Morehead oder der BaFin-Präsident Felix Hufeld haben sich in der Vergangenheit ähnlich negativ geäußert. Shiller räumte im Fernsehinterview immerhin ein, dass er sich durchaus irren könne.

 

Quelle Beitragsbild, thx! (CC0 1.0)

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Piraten-Streaming-Dienst von Polizei abgeschaltet https://tarnkappe.info/piraten-streaming-dienst-von-polizei-abgeschaltet/ https://tarnkappe.info/piraten-streaming-dienst-von-polizei-abgeschaltet/#respond Sun, 21 Jan 2018 08:54:56 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24684

Die einheimische Polizei hat kürzlich einen polnischen Piraten-Streaming-Dienst ausgehoben und nahm 3 Männer, Einwohner der Woiwodschaft Niederschlesien, im Alter von 30, 42 und 57 Jahren fest. Ihnen wird vorgeworfen, Pay-TV-Abonnentenkanäle angeboten zu haben und die daraus erzielten Einnahmen als dauerhafte Einnahmequelle zu nutzen, berichtet der P2P-Blog Torrentfreak.

Beteiligt an der Aktion waren Beamte der Abteilung Cyber- und Wirtschaftskriminalität unter Aufsicht der Bezirksstaatsanwaltschaft in Lublin. Bei Razzien wurden Standorte in drei Provinzen – Niederschlesien, Westpommern und Wielkopolska durchsucht, wobei die Polizei 12 Computer, 9 Server, Tablet PCs, Decoder, Telefone, über 60 Speichergeräte sowie Dokumente beschlagnahmte.

Nach den Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Täter über eine Website das Signal fast aller Fernsehkanäle gestreamt, die sowohl vom digitalen Fernsehen als auch vom staatlichen Fernsehen zur Verfügung gestellt wurden. Auf dieser Website wurden über 160 Fernsehkanäle über das Internet zugänglich gemacht. Die Benutzer erhielten zunächst freien Zugang zu dem illegal bereitgestellten Dienst, wurden dann aber aufgefordert, ein kostenpflichtiges Premium-Paket zu abonnieren.

Die Polizei schätzt ein: “dass die Verdächtigen durch ihre illegalen Praktiken fast 3,5 Millionen Zloty [840.663 Euro] erhalten hatten.” In einer Erklärung der Polizei heißt es, dass die Mittel, die aus diesem Betrug gewonnen wurden, “in weitere kriminelle Aktivitäten sowohl ausländischer, als auch polnischer Unternehmen geflossen sind, von denen [die Verdächtigen] die Eigentümer waren“.

Die Nachricht von diesen Razzien in Polen folgte unmittelbar auf eine von Europol geleitete Operation zur Schließung eines international agierenden, illegalen IPTV-Streaming-Netzwerks.

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Münchner Amoklauf: Sieben Jahre Haft für Waffenhändler https://tarnkappe.info/muenchner-amoklauf-sieben-jahre-haft-fuer-waffenhaendler/ https://tarnkappe.info/muenchner-amoklauf-sieben-jahre-haft-fuer-waffenhaendler/#comments Fri, 19 Jan 2018 18:12:40 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24676

Das Landgericht München I hat Philipp K., den Verkäufer der Tatwaffe, die bei dem Münchner Amoklauf zum Einsatz kam, am Freitag (19.01.2018) zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der 18-Jährige Amokläufer David S. erschoss am 22. Juli 2016 am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen damit und verletzte fünf weitere, ehe er sich selbst tötete.

Waffenhändler Philipp K. hat seine illegalen Waffengeschäfte im Darknet abgewickelt. Dort agierte er unter dem Decknamen „Rico“. In Forumsbeiträgen führte Philipp K. aus, wie er Waffen illegal in der Schweiz, Tschechien und der Slowakei erworben habe. Statt Waffen anonym per Post zu verschicken, setzte „Rico“ auf persönliche Übergaben, sogenannten „Real Life Treffs“. So hatte auch der 18-jährige Schütze David S. die Pistole vom Typ Glock 17 und Hunderte Schuss Munition bei Händler Philipp K. in Marburg (Hessen) abgeholt. Der Waffenhändler war am 16. August 2016 im hessischen Marburg festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Seine Tat hat er gestanden und sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt.

Das Gericht sprach nach mehr als 20 Verhandlungstagen den 33-Jährigen Philipp K. wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen, fahrlässiger Körperverletzung in fünf Fällen und Verstößen gegen das Waffengesetz für schuldig. Während die Staatsanwaltschaft sieben Jahre und zwei Monate Haft forderte mit der Begründung, dass erst der Waffendeal die Tat am OEZ ermöglicht hat, plädierte die Verteidigung auf dreieinhalb Jahre Haft wegen Verstößen gegen das Waffengesetz. Sie argumentierte, eine fahrlässige Tötung, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, sei nicht gegeben, denn Philipp K. habe nicht absehen können, was mit der Waffe geschehen sollte. Angesichts der langen Untersuchungshaft des im Sommer 2016 festgenommenen K. forderte die Verteidigung außerdem, den Haftbefehl gegen den Angeklagten außer Vollzug zu setzen und ihn freizulassen.

Die Nebenkläger, ca. 25 Angehörige der Opfer sowie deren Anwälte, hatten eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord gefordert. Die Familien warfen Philipp K. vor, er habe gewusst, was David S. mit der Pistole vorhatte, da beide eine rechtsradikale Gesinnung geteilt hätten. Doch obwohl die Opfer fast alle junge Menschen mit Migrationshintergrund waren, gingen die polizeilichen Ermittler nicht von politischen Motiven aus. Sie nehmen an, dass David S. aus persönlicher Kränkung handelte, denn seine Opfer glichen jenen Altersgenossen von David S., die ihn jahrelang gemobbt hatten. Einige Gutachter kamen jedoch mittlerweile zu der Einschätzung, es habe sich doch um eine rechtsextreme Tat gehandelt. Der Angeklagte Philipp K. betonte im Prozess, er hätte die Waffe nie verkauft, wenn er etwas von den Plänen des Amokläufers geahnt hätte.

Verteidiger David Mühlberger kritisierte in seinem Plädoyer die Nebenklageanwälte scharf, die eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord verlangt hatten. „Alle Hinterbliebenen haben den Eindruck, er hat die Menschen erschossen“, gibt Mühlberger zu bedenken. Das aber habe David S. getan, der nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden könnte. „David S. ist nicht Philipp K. und Philipp K. ist nicht David S.“, sagte Mühlberger. „Und Philipp K. ist auch nicht der Stellvertreter.“ Den Angehörigen sei nicht geholfen, wenn sie den Eindruck bekämen, dass Morde nicht aufgeklärt würden.

Am Montag beklagte eine Mutter, deren Sohn von S. erschossen wurde: Die Angehörigen hätten ein „Recht auf Rechtsprechung, aber kein Anrecht auf Gerechtigkeit“. Der Vater eines anderen Opfers rechnete nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft bitter vor: „Das sind acht Monate pro Leben.“ Philipp K. sagte in seinem Schlusswort, er wolle den Angehörigen und Hinterbliebenen sein Beileid aussprechen: „Ich habe das nie gewollt. Es tut mir wahnsinnig leid, was passiert ist.“

Mit dem Urteil ging das Gericht mit der Ansicht der Staatsanwaltschaft konform und geht zudem in die Justizgeschichte ein: Erstmals wird damit ein illegaler Waffenhändler mit dem Verkauf einer Schusswaffe für eine Tat verantwortlich gemacht, an der er nicht selbst beteiligt war.

Bildquelle: kalhh, thx! (CC0 Public Domain)

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Nintendo Switch: Schwarzkopien ahoi? https://tarnkappe.info/nintendo-switch-schwarzkopien-ahoi/ https://tarnkappe.info/nintendo-switch-schwarzkopien-ahoi/#comments Fri, 19 Jan 2018 10:26:13 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24667

Die Hackergruppe fail0verflow hat eine nicht patchbare Sicherheitslücke in der Spielkonsole Nintendo Switch entdeckt. Offenbar kann diese nicht einmal durch ein Software-Update behoben werden. Die Gruppierung hat kurz vor Jahresende mit einem Bug des Kernels der Playstation 4 von Sony für Furore gesorgt.

Die Mitglieder der Hacker-Gruppe fail0verflow, die übrigens mit einem eigenen Tisch auf der Assembly des Leipziger Kongresses kurz vor Jahresende präsent waren, haben per Twitter eine neu entdeckte Sicherheitslücke präsentiert. Wie man die Schutzfunktionen aushebelt, wurde allerdings von Dritten auf dem 34C3 präsentiert.

Der Fehler im Bootrom bestehe auf den aktuell ausgelieferten Geräten von Nintendo und könne nicht durch ein Update des Betriebssystems entfernt werden. Auch braucht man zur Ausnutzung keinen Modchip oder eine andere zusätzliche Hardware. Veröffentlicht haben die Hacker ihren Bug noch nicht. Bei Twitter wurde schon gemunkelt, die Gruppierung würde auch diesen Bug mal wieder nicht veröffentlichen. Man würde damit allen Schwarzkopierern Tür und Tor öffnen. fail0verflow geht es aber primär darum, etwas selbst Programmiertes auf einer Spielkonsole mit einem vorhandenen Kopierschutz auszuführen. Die Hacks sollen eigentlich nicht der Releaser-Szene dienen.

Laut Medienangaben soll es schon Indizien dafür geben, dass für die Nintendo Switch demnächst Modchips zur Umgehung des DRM-Schutzes erscheinen sollen, die im Internet käuflich erhältlich sein sollen. Auch soll es schon Fortschritte beim Auslesen der Spiele-Cartridges geben. Wenn beides mit Erfolg funktioniert, würden die Umsätze der Spiele-Hersteller sicherlich stark darunter leiden. Doch bis auf ein Video von einem selbst programmierten Intro (siehe unten) ist für die Gamer noch nichts Handfestes verfügbar.

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Indien: Einsatz von CCTV-Überwachungskameras in Klassenräumen geplant https://tarnkappe.info/indien-einsatz-von-cctv-ueberwachungskameras-in-klassenraeumen-geplant/ https://tarnkappe.info/indien-einsatz-von-cctv-ueberwachungskameras-in-klassenraeumen-geplant/#comments Thu, 18 Jan 2018 19:42:58 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24662

Der Ministerpräsident von Delhi, Arvind Kejriwal, kündigte an, dass Eltern von Schülern künftig für die staatlichen Schulen Delhis in Echtzeit Zugang zu CCTV-Aufnahmen von den Klassenräumen ihrer Kinder auf ihren Mobiltelefonen haben werden. Zudem ist der Zugriff auf das Material auch Behörden gestattet, berichtet die Hindustan Times.

Das Haupeinsatzgebiet von CCTV-Videoüberwachung ist in Deutschland die Beaufsichtigung von sowohl öffentlichen, als auch privaten Räumen und Plätzen oder des öffentlichen Verkehrs. Der Name CCTV leitet sich von der geschlossenen Kabelverbindung (engl.: Closed Circuit Television) zwischen Überwachungskamera und Bildschirm ab. Nun wird diese Technologie auch in Indiens Klassenzimmern ihren Einzug halten.

Mit dem Einsatz von CCTV-Überwachungskameras sollen in Zukunft die Klassenräume Indiens sicherer werden. Den Anlass zu solch einer Maßnahme gab die Vergewaltigung eines fünfjährigen Mädchens an einer Schule in Ost-Delhi und die Tötung eines Jungen an einer Privatschule in Gurgaon. Bereits im September 2017 hatte das Bildungsministerium Indiens eine Installation von Überwachungskameras in allen Klassenzimmer staatlicher Schulen angekündigt.

So sollen Eltern demnächst den Unterricht Ihrer Kinder an staatlichen Schulen über eine App auf dem Mobiltelefon in Echtzeit mitverfolgen können. Jedes Elternteil erhält dazu eine eindeutige Login-ID, um sich in eine, von der Regierung entwickelte mobile App, einzuloggen. CCTV-Aufnahmen werden dann live in der App gestreamt. Ein Beamter des regionalen Bildungsministeriums gibt zum Thema bekannt: “Die mobile App wird noch entwickelt. Eltern müssen die Nummer des Klassenzimmers ihres Kindes kennen und können damit auf die Aufnahmen aus diesem Raum zugreifen.” In die Eltern-App ist zudem eine Beschwerdefunktion integriert: “Wenn Eltern etwas falsch finden und sich beschweren möchten, können sie sich über die App äußern. Mit einer Problemlösung werden sich dann Beamte der jeweiligen Abteilung befassen”, sagte der Beamte weiter. Ferner wird ein permanenter Echtzeit-Zugriff autorisierten Beamten des Bildungsministeriums auf das Überwachungssystem gewährt. Sie sollen Komplikationen in betroffenen Schulen rechtzeitig erkennen und zeitnahe darauf reagieren.

Ministerpräsident Kejriwal nahm auf einem Treffen am Mittwoch (17.01.2018) die Gelegenheit wahr, das Projekt der Installation von CCTV-Kameras zu begutachten. So sollen CCTV-Kameras in allen Klassenzimmern von Regierungsschulen installiert werden. Beginn der Installation der entsprechenden Technik ist bereits in drei Monaten geplant. Kejriwal twitterte: “Jeder Elternteil erhält damit Zugang zu seinem Kind in Echtzeit. Dies wird das gesamte System transparent und nachvollziehbar machen und die Sicherheit der Kinder gewährleisten.”

Bildquelle: stux, thx! (CC0 Public Domain)

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Alien Tours: Mit John McAfee in Thailand https://tarnkappe.info/alien-tours-mit-john-mcafee-in-thailand/ https://tarnkappe.info/alien-tours-mit-john-mcafee-in-thailand/#respond Thu, 18 Jan 2018 12:22:00 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24649

BLOCKCHAIN-EVENT-OF-THE-YEAR

Phuket, gerade findet das BLOCKCHAIN-EVENT-OF-THE-YEAR, die Blockchain Cruise Asia 2.0 statt. Mit dabei sind John McAfee, den ich persönlich schon seit langem für eine Art Alien halte, denn wenn man Alter und Aussehen vor Augen führt, ist das völlig unmöglich, oder Andrew ‘Flip’ Filipowski.

Phuket, Penang, Pink Lady

Start war gerade in Phuket, Thailand, weiter geht es nach Singapore und von dort aus wieder zurück mit einem kurzen Abstecher nach Penang, Malaysia. Über 50 Vortragende werden zu 700 Leuten über Blockchain, Cryptocurrency, Investments und ICO reden. 99 Medienvertreter sind dabei, es wären 100 gewesen, wäre ich nicht im Pink Lady in der Phang Nga Road in der Nähe der Bus Station…

McAfee simultan

Aber das ist eine andere Geschichte. Ich verpasse zwei aufregende Konverenztage, mit unzähligen Gelegenheiten. Es gibt immer 3 Konferenzen simultan, Ich rechne damit, das McAfee an allen dreien gleichzeitig teilnehmen wird. Dort gibt es Informationen aus erster Hand, erstklassige Unterhaltung, Partys, gutes Essen, dann geht es mit traditionellen Partys in den Sonnenuntergang.

Bitcoin 500.000 Dollars

Schon im vergangenen Sommer gab McAfee über Twitter bekannt, dass Bitcoin einen Stand von 500.000 Dollars erreichen wird. Was haben die Außerirdischen vor?

Flight to the moon

Die von der CoinsBank organisierte Blockchain Cruise Asia ist eine gute Gelegenheit in perfekter Atmosphere Kontakte zu knüpfen, sagte Event Coordinator Kristina Bliadze. Und dann noch das hier: “We like to set ourselves interesting but difficult goals, perhaps someday we will organize a blockchain flight to Mars or disembark to the moon.” Aha, wußte ich es doch!

Euer Andreas Köppen

Weitere Artikel von Andreas Köppen findest du hier!

Bildquelle: himanshugunarathna, thx! (CC0 Public Domain)

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Freilassing: Schwarzkopierer auf Flohmarkt erwischt https://tarnkappe.info/freilassing-schwarzkopierer-auf-flohmarkt-erwischt/ https://tarnkappe.info/freilassing-schwarzkopierer-auf-flohmarkt-erwischt/#comments Thu, 18 Jan 2018 07:22:32 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24644

Im oberbayerischen Freilassing wurde kürzlich die Identität mehrerer Personen erkennungsdienstlich festgehalten, weil sie auf einem Flohmarkt schwarzkopierte Musik-CDs, Computer-Spiele und Pornos verkauft haben.

Kurz notiert: Am Samstag, den 13. Januar entdeckten laut einer Pressemitteilung der Polizei zwei Mitarbeiter der Sicherheitswacht Freilassing auf ihrem Streifengang über den Flohmarkt beim Bahnhof an zwei Ständen Spiele und Filme mit der Altersfreigabe FSK18 nebst schwarzkopierten Musik-CDs.

Die herbeigerufene Polizeistreife der Inspektion Freilassing nahm sich der Sache an und stellte die selbst gebrannten Musik-CDs, Porno-Filme und PC-Spiele sicher. Den beiden Standbetreibern erwartet nun jeweils eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen des Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz. Sie hatten Minderjährigen FSK18-Ware angeboten. Wegen des Verkaufs der Imitate wird einer der Verkäufer zudem wegen des Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz angezeigt. Zudem darf man beim Verkauf der selbst gebrannten Ware auch ein nicht unerhebliches Ausmaß an Steuerhinterziehung vermuten.

GVU: Kontrolle der angebotenen Ware auf Flohmärkten üblich

Als es noch keine flächendeckende Versorgung mit dem Internet gab, wurden vergleichsweise häufig Mitarbeiter der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) auf Flohmärkte geschickt, um die angebotene Ware auf ihre Echtheit zu überprüfen. Pro Beschlagnahmung wurden mitunter mehrere zehntausende illegale Kopien sichergestellt. Teilweise arbeitete die GVU mit Mitarbeitern des zuständigen Hauptzollamts und den Ermittlern der Hamburger proMedia GmbH zusammen, die zur Kanzlei Rasch Rechtsanwälte gehört. Doch dieses Phänomen gehört nicht gänzlich der Vergangenheit an. Um nur ein Beispiel zu nennen: Vor dem Landgericht Essen mussten sich im Januar 2016 drei Personen verantworten, weil sie auf verschiedenen Flohmärkten in ganz NRW insgesamt ca. 380.000 Schwarzpressungen verkauft haben sollen.

 

Quelle Beitragsbild: Geralt, thx! (CC0 1.0)

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Playerunknown’s Battlegrounds: 120 Cheat-Entwickler in China festgenommen https://tarnkappe.info/playerunknowns-battlegrounds-120-cheat-entwickler-in-china-festgenommen/ https://tarnkappe.info/playerunknowns-battlegrounds-120-cheat-entwickler-in-china-festgenommen/#respond Wed, 17 Jan 2018 20:06:22 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24639

Den Cheat-Entwicklern, die für den Hit-Survival-Shooter Playerunknown’s Battlegrounds (PUBG), die Cheat-Tools programmieren und verkaufen, droht in China eine Haftstrafe. Der Gaming-Publisher Tencent, der PUBG in diesem Land künftig vertreibt, arbeitet in der Angelegenheit eng mit örtlichen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Gemäß Bloomberg haben sie bereits 30 Cheat-Entwickler/Verkaufsteams ausgehoben. Insgesamt wurden bei dieser Aktion 120 Menschen festgenommen.

Noch im November letzten Jahres wollte der chinesische Verband für Audio-, Video- und Digital-Vertrieb das offiziell noch nicht erhältliche, beliebte Spiel verbieten. In einer offiziellen Stellungnahme prangert der Verband PUPG als “brutal, gesundheitsgefährdend und nicht mit den sozialistischen Werten Chinas vereinbar” an. Ein schwerer Schlag für die Bluehole-Studio PUBG Corporation, denn es kommen immerhin mehr als die Hälfte der mittlerweile rund 27 Millionen Spieler aus China.

Kurz darauf gab es allerdings schon Entwarnung: Tencent Holdings Ltd., der größte Spielepublisher in China, hat die Rechte für den Vertrieb des Spiels erworben. Zuvor hatte das Unternehmen erfolglos versucht, Bluehole komplett zu übernehmen. Um jedoch der Zensur zu entgehen, beabsichtigt Tencent, grundlegende Änderungen am Spiel vorzunehmen. Damit will man sicherstellen, dass PUPG den “sozialistischen Grundwerten Chinas sowie der Kultur und den Moralvorstellungen des Landes” entspricht. Das Ziel war es, positive, kulturelle Werte zu vermitteln. Es sollte zudem auch für Minderjährige geeignet sein, wie Reuters berichtete.

Laut Bloomberg verwenden zahlreiche Cheat-Hersteller den Chat-Service QQ, um ihre Software zu verkaufen, der sich jedoch ausgerechnet im Besitz von Tencent befindet. So weisen in den entsprechenden Leaderboards der Spieler, User mit Namen, wie »Contact QQ574352672«, auf ihren Service hin: Für ca. 15 Dollar kann man von ihnen Programme kaufen, die z.B. die eigene Spielfigur verdeckt und es gleichzeitig ermöglicht, sich die Landschaft in Vogelperspektive anzuschauen.

Gemäß Entwickler Brendan Greene stammen 99 Prozent der aktuell verwendeten Cheats im Battle-Royale-Spiel aus China. Die Entwickler bei Bluehole arbeiten daran, Cheater in PUBG zu erkennen und anschließend effizient zu entfernen, auch lassen sich Cheater von Spielern über eine integrierte Spielfunktion melden. Bereits Ende Dezember verzeichnete PUBGs Anti-Cheat-Tool Battleye 1,5 Millionen gebannte betrügerische Accounts. Laut Steamspy stammt knapp die Hälfte der 27 Millionen PUBG-Besitzer aus China – allein diese immense Community-Größe fördere einen lebendigen Cheat-Handel.

Den Festgenommenen droht nun in China eine Gefängnisstrafe. Bereits in der Vergangenheit erhielten Personen, die für die Störung eines Computer-Netzwerk verantwortlich waren, mehr als fünf Jahre Haft. So haben die chinesischen Gerichte einen Angeklagten 2010 zu 3 Millionen Yuan Geldstrafe (nach heutigem Wechselkurs wären das fast 400.000 Euro) und neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Bildquelle: tee2tee, thx! (CC0 Public Domain)

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Tarnkappe Magazin – Klappe, die fünfte! https://tarnkappe.info/tarnkappe-magazin-klappe-die-fuenfte/ https://tarnkappe.info/tarnkappe-magazin-klappe-die-fuenfte/#respond Wed, 17 Jan 2018 16:22:23 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24627

Jetzt erscheint unser kostenloses PDF-Magazin schon zum fünften Mal. Im Special dreht sich alles um die netzpolitischen Höhen- und Tiefpunkte des Jahres 2017, die Annika Kremer für uns zusammengefasst hat. Wie üblich kann man das Magazin im PDF-Format herunterladen, um es unterwegs zu lesen oder das Dokument online genießen. Wir wünschen so oder so viel Spaß dabei!

Das vergangene Jahr brachte einige interessante neue Entwicklungen in diesem Bereich. Manche dieser Neuerungen sind erst zum Jahreswechsel in Kraft getreten, wie etwa das Netzdurchsetzungsgesetz (NetzDG), welches möglicherweise von der nächsten Bundesregierung (aber welche?) wieder einkassiert wird. Zumindest hat der Sprecher von Angela Merkel angesichts des vielen Protestes schon jetzt bekannt gegeben, das Thema genauer im Auge behalten zu wollen. In der Summe gab es 2017 wohl mal wieder sehr viel mehr Schatten als Licht. Die Wahl von Mr. Ego himself, Donald Trump, zum US-Präsidenten war nur ein Beispiel von vielen.

Nicht fehlen dürfen natürlich die ganzen Interviews, die im Laufe der letzten Monate bei uns auf dem Blog erschienen sind. Dazu gehört neben DDL-Warez auch der namentlich nicht genannte Uploader, der in diversen Foren und Webwarez-Seiten seit Jahren sein Unwesen treibt. Er behauptet, dass monetäre Gesichtspunkte bei seinem Hobby nicht die Hauptrolle spielen dürfen. Zwar sei heutzutage alles auf Kommerz ausgerichtet, aber in der Szene sei man nicht tätig, um Geld zu verdienen. Wir reichen das Interview mit Serienstream.to im nächsten Magazin nach, diese Ausgabe war schon jetzt voll bis oben hin.

Anhand des Jahresrückblicks sieht man auch: eigentlich ist alles wie immer. Oder anders gesagt: so schlimm wie eh und je. Wir werden zunehmend von moderner Technik umgeben, die eigentlich unser aller Leben sicherer gestalten soll – doch das Gegenteil ist der Fall. Die fetten Sicherheitslücken in diversen Prozessoren verschiedener Hersteller, die kurz nach dem Jahreswechsel bekannt wurden, ist nur ein Beispiel von vielen. Spannend ist auf jeden Fall, dass die Führungsetage von Intel vor der befürchteten Bekanntgabe dieser Nachricht ein Großteil ihrer Aktien abgestoßen haben. Wirklich clever. Fest steht aber auch: AMD, Intel & Co. hätten die Patches längst bereitstellen können, sie wissen schon seit mindestens seit einem halben Jahr von dieser Lücke. Der Hammer ist natürlich, dass Intel zunächst nur Softwareupdates für die neueren Prozessoren herausbringen will. Ob oder wann die Besitzer der älteren Prozessorgenerationen wieder sicher sein können, ist noch dahingestellt. Übrigens sind auch die Prozessoren diverser moderner Grafikkarten von der Lücke betroffen. Auch dort sind schon die ersten Patches verfügbar.

 

 

Telegram-Gruppe von Tarnkappe.info mit mehr als 350 Mitgliedern

Wer sich zwanglos über solche und ähnliche Themen austauschen möchte, den möchte ich an dieser Stelle dazu einladen, sich zu uns in unserer öffentlichen Telegram-Gruppe zu gesellen. Der Umgangston ist freundlich und viele Nutzer sind häufig anwesend und beantworten gerne alle möglichen Fragen technischer Natur. Es kommt bei uns nur selten zu Rangeleien und Regelverstößen. In den meisten Fällen müssen die Admins gar nicht erst tätig werden, das regeln die Leute zumeist unter sich. Telegram ist kostenlos, auch die Teilnahme an der Gruppe ist natürlich frei von Gebühren! Wer dabei sein möchte, sollte einfach die unten stehende Grafik anklicken. Ich hoffe, wir sehen uns bald im Chat! Wer will, kann uns dort auch gerne sein Feedback oder Ideen für neue Interviews oder Artikel hinterlassen. Wir sind nicht vierundzwanzig Stunden täglich online, sehen aber im Nachhinein, was in der Gruppe öffentlich getippt wurde.

P.S.: Die Nachrichten sind innerhalb der Gruppe nicht verschlüsselt. Dafür müsste man privat einen geheimen Chat starten, denn nur dann ist die Kommunikation Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

 

telegram

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Interview mit der Autorin Moa Graven: bitte Fragen einreichen! https://tarnkappe.info/interview-mit-der-autorin-moa-graven-bitte-fragen-einreichen/ https://tarnkappe.info/interview-mit-der-autorin-moa-graven-bitte-fragen-einreichen/#comments Wed, 17 Jan 2018 08:55:46 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24616

Wir planen ein Interview mit der ostfriesischen Krimi-Autorin Moa Graven, die mittlerweile sowohl als Verlagsleiterin, Buchhändlerin und als als Schriftstellerin aktiv ist. Alles begann im Jahr 2013 mit einer Krimi-Reihe, welche Graven für ein mittlerweile eingestelltes Monatsmagazin schreiben sollte. Die Leute erkundigten sich schon bald in den umliegenden Buchhandlungen, weil sie wissen wollten, wie die Ermittlungen von Jochen Guntram weitergehen würden. Doch zu einem Buch war es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gekommen. Das Ende der Geschichte spielte sich damals noch im Kopf der früheren Journalistin ab. Moa Graven kann heutzutage zu ihrem Glück sagen, dass sie vom Schreiben leben kann. Ein Privileg, was sie nur mit wenigen Kolleginnen und Kollegen aus der schreibenden Zunft teilt.

Mittlerweile gibt es von ihr fünf verschiedene Krimi-Serien, die ausnahmslos alle von der ostfriesischen Küste und der Mordlust der dortigen Einwohner handeln. Graven machte sich auf die Suche nach einem Verlag, doch damals wollte keiner ihren Lesestoff haben. Sie versuchte ihr Glück als Selfpublisherin bei Amazon und gründete später den eigenen Criminal-kick-Verlag. In der Nähe ihres Hauses hat sie zudem eine eigene Buchhandlung eröffnet, wo ihre Leser den neuesten Stoff direkt von der Quelle beziehen können. Quasi vom Laptop direkt zum Kunden. Die Buchhandlung hat aber nur an zwei Tagen und jeweils für ein paar Stunden geöffnet.

Wir stolperten über den Namen der 55-jährige Frau, weil sie immer wieder beim E-Book Blog Lesen.to verunglimpft wird. In den Kommentaren führen die Betreiber oder deren Besucher Gespräche zwischen Frau Graven und Sumsel. Frau Graven ist zwar immer wieder auf die dortigen Einträge hingewiesen worden, sie hat dort selbst aber nie einen Kommentar veröffentlicht, wie sie uns gestern am Telefon sagte. Sie kann sich auch deren gesteigertes Interesse an ihrer Person nicht erklären. Manche Späße vom Betreiber Sumselbär & Co. gehen einfach zu weit. So sollte man ihr eine SMS schicken, sofern eines ihrer E-Books bei Uploaded.net abused und somit gelöscht wurde. Zudem wurden die Seitenbesucher mehrfach dazu aufgefordert, bei der Festnetznummer der Autorin anzurufen, was auch zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten geschehen ist. Die Dame trägt die gesteigerte Aufmerksamkeit der Piraten mit Fassung. Sie würde dort schon gar nicht mehr reinschauen wollen, weil sie gegen die Piraten ehedem kaum etwas ausrichten kann. Deren Identität ist nicht auszumachen und auch bringe es nichts, die Uploads bei den Sharehostern löschen zu lassen.

Ärgerlich war hingegen die Veröffentlichung ihrer echten Anschrift. Auch wenn es eigentlich nicht erlaubt ist, im Impressum wurde mit Absicht lediglich ein Postfach in Rhauderfehn angegeben. Aber vielleicht können wir im Rahmen dieses Interviews klären, wieso sich die Macher oder Nutzer von Lesen.to immer wieder so intensiv mit dieser Autorin beschäftigen.

Einsendeschluss für Eure Fragen ist der 31. Januar 2017.

 

Quelle der Bilder von Moa Graven privat, Einbindung mit freundlicher Erlaubnis.

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Hacker stahl drei Milliarden Passwörter und kommt vor den Kadi https://tarnkappe.info/hacker-stahl-drei-milliarden-passwoerter-und-kommt-vor-den-kadi/ https://tarnkappe.info/hacker-stahl-drei-milliarden-passwoerter-und-kommt-vor-den-kadi/#comments Tue, 16 Jan 2018 18:14:12 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24607

Dumm und dämlich verdient

Die kanadische Polizei ist der Ansicht, ein 27-jähriger Mann verdiente sich durch das Stehlen von Passwörtern und persönlichen Informationen von Milliarden Nutzerkonten und durch den Weiterverkauf der erbeuteten Daten dumm und dämlich, was ihr gehörig auf den Zeiger geht. Er kommt vor den Kadi.

Kleine Spende

Zu Wochenbeginn begann die Verhandlung der Rechtssache gegen den 27-Jährigen. Die Polizei meint, er könnte so um die 247.000 kanadische Dollars mit dem Betrieb von leakedsource.com gemacht haben. Auf der Seite wurden Passwörter, Nutzer-Namen und andere Konten-Informationen gegen eine kleine Spende angeboten.

Passwörter mit Mehrwert

Betroffen vom Hacker-Angriff nebst Diebstahl von Nutzer-Daten waren Internetdienste, wie LinkedIn und die Datingplattform Ashley Madison. In vielen Fällen konnte man auch weitere bekannte Webseiten nutzen, indem man die angebotenen Login-Daten, also Passwort und Benutzernamen, auch für diese Webdienste zur Anwendung brachte.

Die kanadischen Behörden haben die Seite vom Netz genommen, das Angebot ist aber auf russischen Servern weiter aktiv. Ihr wisst ja, Geld ist nicht alles. Also immer schön sauber bleiben.

Euer Andreas Köppen

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Bildquelle: pixabay.com, thx! (CC0 Public Domain)

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ReactOS im Interview (Repost) https://tarnkappe.info/reactos-im-interview-repost/ https://tarnkappe.info/reactos-im-interview-repost/#comments Tue, 16 Jan 2018 07:55:59 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24597

ReactOS ist der Versuch, Windows per Reverse Engineering komplett neu aufzustellen. Am Ende der Bemühungen steht ein uns allen bekanntes Betriebssystem ohne juristische Beschränkungen und ganz ohne den Software-Konzern aus Redmond. Anfang Dezember wurde ReactOS V. 0.4.7 veröffentlicht. Bis zur Fertigstellung der ersten einsatzfähigen Version (1.0) ist es also noch immer ein weiter Weg. Ich habe einen der deutschen Entwickler vor 9 Jahren zu diesem interessanten Projekt befragt.

Wenn dieses Team mit ihrer Arbeit fertig ist, könnte das Ergebnis geradezu himmlisch ausfallen. Am Ende aller Bemühungen steht ein kostenloses, quelloffenes und vor allem freies Betriebssystem, was man schon kennt und mit den alten Versionen von Windows kompatibel sein soll. Die eigenen Treiber sollen so viel exotische Hardware wie möglich unterstützen. Aber gerade dabei dürften die meisten Probleme auftauchen, sobald ReactOS eines schönen Tages einsatzbereit sein wird. Ich traf den Entwickler Colin Finck erstmals auf der Brüsseler Open-Source-Konferenz Fosdem im Jahr 2009.

 

 

Lars Sobiraj: Colin, vielleicht stellst du dich zu Beginn des Interviews einfach mal unseren Lesern vor.

Colin Finck: Mein Name ist Colin Finck, ich bin 18 Jahre alt und wohne in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen). Zurzeit bin ich Schüler und meine Hobbys liegen insbesondere in den Bereichen Computer und Technik. 2005 bin ich das erste Mal mit dem ReactOS-Projekt in Kontakt gekommen und seit Ende 2006 beteilige ich mich aktiv an der Entwicklung. Anmerkung: Das Interview ist ursprünglich aus dem Jahr 2009. Mittlerweile hat Colin in Informatik seinen Master an der RWTH in Aachen abgeschlossen und arbeitet in den USA. 

 

Lars Sobiraj: Eine Herausforderung ist sicher das Erreichen der Kompatibilität, zumal viele API-Aufrufe nie öffentlich dokumentiert wurden. Oder was reizt dich persönlich an der Entwicklung?

Colin Finck: An ReactOS mitzuwirken kann viele Gründe haben. Eine Besonderheit an dem Projekt ist seine Einzigartigkeit. Es ist nicht einfach noch eine weitere Linux-Distribution oder ein Unix-Derivat. Es existiert kein anderes aktives Projekt, welches sich sowohl Anwendungs- als auch Treiberkompatibilität zu Windows als Ziel gesetzt hat. Somit existiert für ReactOS auch der größte Pool an Programmen und Hardware-Treibern. Bei einem Umstieg von Windows auf ReactOS würde der typische Grund entfallen, dass diese Software für ein anderes Betriebssystem neu zusammengesucht werden muss oder gar nicht erst existiert. Auch ist es unser Anliegen, eine zu Windows vergleichbare Oberfläche zu schaffen, damit sich Windows-gewohnte Anwender sofort zurechtfinden.

Durch die breite Verfügbarkeit an Windows-Programmen macht es auch häufig Spaß, aktuelle ReactOS-Versionen zu testen. Es ist oft recht erstaunlich, was unter ReactOS schon alles lauffähig ist oder sich mit wenigen Codeänderungen lauffähig machen lässt.

Ein weiterer Punkt sind die von dir schon angesprochenen undokumentierten Funktionen. Wer solche Funktionen implementiert oder Testprogramme schreibt, um deren Verhalten zu untersuchen, hilft gleich doppelt: Auf der einen Seite wird dabei ReactOS kompatibler zu Windows. Zum anderen wird aber auch häufig neues Wissen geschaffen, da diese Funktionen halt vorher undokumentiert waren. Dieses Wissen kann darüber hinaus auch von ganz anderen Personen zur Entwicklung von Windows-Software eingesetzt werden.

reactos screenshot

 

Lars Sobiraj: Wann und was kann man von Version 0.5 erwarten, die die erste Betaversion sein wird?

Colin Finck: Diese Darstellung bezieht sich noch auf die alte Roadmap, welche Version 0.5 als erste Beta-Version gelistet hatte. Nach der aktuellen Planung kann allerdings auch schon eine 0.4.x-Version die Beta-Phase einleiten, sofern sie unsere Anforderungen an Stabilität und Kompatibilität (sowohl mit Hardware-Treibern als auch mit Anwendungsprogrammen) erfüllt.

Unser aktueller Plan sieht vor, dass noch dieses Jahr Version 0.4 als großes Major-Release erscheint. Gegenüber den aktuellen Versionen wird es mit weit besserer Hardwareunterstützung (insbesondere in den Bereichen Massenspeicher, Netzwerk, Sound und USB) und einer erweiterten Oberfläche aufwarten. Dies sollte das Projekt attraktiver für viele Entwickler und Tester machen.

Über die darauf folgenden Versionen lassen sich bisher nur grobe Vorhersagen treffen. Es wird in jedem Fall noch Arbeit an den verschiedenen Kompatibilitätsschichten anstehen, um auch speziellere Windows-Software zu unterstützen. Auch werden ReactOS noch einige Spezialfunktionen fehlen, um ein Windows wirklich vollständig zu ersetzen. Weiterhin wurde bereits die Entwicklung an Ports auf andere Prozessorarchitekturen (wie z. B. AMD64, ARM und PowerPC) begonnen, diese könnte besonders in dieser Entwicklungsphase große Fortschritte machen.

 

reactos

Lars Sobiraj: Gibt es ungefähre Schätzungen, wann ReactOS benutzbar sein wird? Oder anders gefragt: Wie viele Personen arbeiten derzeit an der Entwicklung?

Colin Finck: Solche Schätzungen sind recht schwierig, da dies besonders von der Entwicklerzahl abhängt. Wir haben leider noch keine festen Sponsoren und sind somit ausschließlich auf freiwillige Entwickler angewiesen, welche jederzeit kommen und gehen können. Unser Ziel besteht daher unter anderem auch darin, dass durch die ständig verbesserten Releases mehr Entwickler angelockt werden und somit die Entwicklungszeit bis zu einer Version 1.0 weiter verkürzt wird.

Momentan sind wir um die 30 aktive Entwickler plus einige weitere, welche ab und zu Patches beisteuern. Weiterhin leisten Tester auch einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung, da sie beim Aufspüren von Fehlern sehr behilflich sind. Wir freuen uns über jeden Neuzugang!

 

Lars Sobiraj: Wird ReactOS einmal denselben komfortablen Funktionsumfang haben wie Windows? Welcher Version von Windows wird ReactOS am ehesten gleichen?

Colin Finck: Ein Ziel von ReactOS ist das Erreichen von vollständiger Anwendungs- und Treiber-Kompatibilität mit Windows. Wie bereits gesagt, soll aber auch die Oberfläche mit Windows vergleichbar sein, damit sich Anwender unter ReactOS nicht umgewöhnen müssen.

Microsoft-Firmengebäude in Köln

Microsoft-Neubau in Köln

Der Vergleich von ReactOS mit einer Windows-Version lässt sich momentan in zwei Bereiche unterteilen: Als Ziel für den Systemkern und die Treiber wurde momentan Windows Server 2003 SP1 definiert und daran wird sich in der nahen Zukunft wohl auch wenig ändern. Bei der Anwendungskompatiblität implementieren wir allerdings auch schon Schnittstellen von Windows Vista und Windows Server 2008. Dies liegt ganz einfach daran, dass diese Schnittstellen oft weitgehend dokumentiert und einfach zu testen sind und zudem eine Änderung auf diesem Gebiet nicht das ganze System betrifft.

Ein allgemeines Ziel für ReactOS 1.0 ist die Unterstützung der Anwendungen und Treiber, der bis dahin am weitesten verbreiteten Windows-Version.

 

Lars Sobiraj: Wird ReactOS Multicore-Computer unterstüzen ? Wird es eine Umsetzung von DirectX geben? Wie viel Hard- und Software wird auf eurem Betriebssystem lauffähig sein?

Colin Finck: Es existiert bereits eine ältere ReactOS-Version, die mehrere Prozessoren bzw. Multicore-Prozessoren unterstützt. Allerdings wurde dieser Bereich im Laufe von gravierenden Umbauten am Systemkern erst mal außen vor gelassen. Da Multicore-Prozessoren aber heutzutage nicht mehr wegzudenken sind, wird es selbstverständlich in Zukunft auch eine ReactOS-Version geben, die mit Multicore-Prozessoren vernünftig umgehen kann.

Eine Umsetzung von DirectX wurde bereits begonnen. Ab einer bestimmten Entwicklungsstufe könnte man dann auch die kostenlos verfügbare DirectX-Version von Microsoft unter ReactOS installieren. Allerdings haben wir in diesem Bereich bisher nur sehr wenige Entwickler. Als Zwischenlösung wurden daher erst mal die DirectX-Bibliotheken des WINE-Projektes importiert, welche DirectX-Aufrufe auf OpenGL umsetzen. Damit sind viele DirectX-Anwendungen schon mal lauffähig, sie nutzen nur noch nicht das gesamte Potenzial der Grafik-Hardware aus.

Sobald alle entsprechenden Schnittstellen implementiert sind, sollte die ReactOS-Kompatibilität vergleichbar mit der von Windows XP oder einer neueren Version sein. Dies heißt natürlich auch, dass Software, welche ausschließlich für ältere Windows-Versionen geschrieben wurde und auch nicht unter Windows XP lauffähig ist, höchstwahrscheinlich nicht unter ReactOS funktionieren wird.

 

reactos winzip screenshot

Lars Sobiraj: Das Betriebssystem ist unter der GNU GPL veröffentlicht. Es könnte also nach der Fertigstellung eine von Microsoft unabhängige und kostenfreie Alternative zu Windows darstellen. Hat der Gigant aus Redmond bisher darauf reagiert? Ist es eher Zufall oder Absicht, dass dieses OS primär in Russland entwickelt wird? Denn dort hin reicht keine Klage des Softwareriesen.

Colin Finck: Zu einer offiziellen Stellungnahme von Microsoft bezüglich ReactOS ist es bisher nicht gekommen.

Man kann allerdings auch nicht sagen, dass das Betriebssystem hauptsächlich in Russland entwickelt wird. Unser Projektkoordinator lebt in Russland und ein paar weitere Entwickler auch, aber das war es dann auch schon. Wie zum Beispiel unsere Personen-Karte zeigt, kommen sehr viele Entwickler aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Ein weiterer Großteil lebt auch in Nordamerika.

 

Lars Sobiraj: Ich habe gehört, ihr dürft/sollt nicht zum Google Summer of Code? Was hat es damit auf sich?

Colin Finck: Ja, wir durften bis jetzt erst einmal teilnehmen und wurden seit 2007 drei Mal in Folge nicht zugelassen. Eine offizielle Erklärung seitens Google gibt es dazu leider nicht.

Anmerkung: Seit dem Jahr 2006 wurde den Entwicklern des Windows-Klons die Teilnahme bei diesem Event insgesamt vier Mal erlaubt.

 

 

Lars Sobiraj: Ihr habt aktuell in eurem Forum fast 19.000 Benutzer, macht sich das bei der Entwicklung bemerkbar? Kommt da viel Unterstützung vonseiten der Anwender?

Colin Finck: Diese Zahl ist ein wenig irreführend, da auf unserer Website ein gemeinsames Login für alle Dienste benutzt wird. Alle rund 19.000 Benutzer, die einen solchen Zugang angelegt haben, benutzen nicht zwangsweise auch das Forum.

Auf der anderen Seite kann man aber schon sagen, dass einige der heutigen Entwickler ursprünglich aus dem Forum kommen. Speziell auch im Bereich der Grafiken und Designs sind in unserem Design-Forum oft viele Ideen und Helfer zu finden.

 

Lars Sobiraj: Ich habe gehört, dass ReactOS nicht nur am WinNT-Kompatibilitäts-Project arbeitet, auch andere Projekte arbeiten mit euch zusammen. Welche sind das?

Colin Finck: Wir benutzen einige Komponenten des WINE-Projektes und versuchen auch, so weit wie es geht, mit dem Projekt Code auszutauschen. In jüngster Zeit kooperieren wir auch mit dem Mingw-w64 Projekt, welches angepasste Versionen der frei verfügbaren GNU-Entwicklungswerkzeuge für Windows bereitstellt.

Daneben werden natürlich noch kleinere Open-Source Bibliotheken für verschiedene Zwecke verwendet, sei es beispielsweise eine JPEG-Datei darzustellen. Falls wir hier Fehler finden oder Verbesserungen am Code vornehmen, versuchen wir selbstverständlich auch, diese den ursprünglichen Entwicklern zukommen zu lassen.

 

Lars Sobiraj: Vor ein paar Jahren war das Auditing, in dessen Verlauf der Code von Aleksey Bragin (Projekt Coordiantor) nochmals überprüft wurde. Was war der Grund dafür und welche Ergebnisse wurden erzielt?

Colin Finck: Ein Entwickler hatte damals rechtliche Bedenken über die verwendeten Reverse Engineering-Verfahren geäußert. Um die Legalität des gesamten Quellcodes sicherzustellen, wurde daraufhin nach einer Abstimmung aller aktiven Entwickler ein “Code Auditing” durchgeführt, bei dem parallel zur ReactOS-Entwicklung der gesamte Code auf eventuelle rechtliche Probleme untersucht wurde.

Das Ergebnis dieser Überprüfung war, dass kein solcher Code gefunden wurde. Vielmehr hatte dieser Prozess aber auch einen positiven Nebeneffekt: Durch die Untersuchung des gesamten Codes konnten Fehler in einigen älteren Codeteilen aufgespürt und behoben werden.

reactos mario luigi

Lars Sobiraj: Wie viel RAM wird ReactOS maximal bearbeiten können, oder wie viel wird es minimal brauchen?

Colin Finck: Hier sind wir, wie alle anderen Betriebssysteme auch, an die Limitierungen der Rechnerarchitektur gebunden.

Unter einem 32-Bit ReactOS lassen sich daher mit den normalen Speicheradressierungsmethoden maximal 4 GB RAM ansprechen (sofern das BIOS keinen dieser Speicherbereiche selbst belegt). Allerdings bieten alle modernen x86-Prozessoren auch die PAE-Funktion, welche unter einem 32-Bit System bis zu 64 GB RAM möglich macht. Microsoft bietet diese Unterstützung nur Käufern der teureren Windows Server-Versionen an, insofern könnte ein ReactOS mit PAE-Funktion hier einen Vorteil ausspielen.

Ein 64-Bit ReactOS ist da natürlich die Alternative und ein solcher Port ist bereits in Arbeit. Der nutzbare Speicher wird hier betriebssystemseitig auf 16 TB beschränkt sein, was erst mal für einige Jahre ausreichen sollte. Dies entspricht zwar nicht den vollen 64 Bit, doch hat dies seine Ursache in einer Beschränkung der ersten 64-Bit Prozessoren. Die Details hinter dieser Beschränkung hat unser ehemaliger Entwickler Alex Ionescu in einem Blogeintrag ausführlich erläutert.

ReactOS’ RAM-Minimalanforderung konnte erst kürzlich wieder gesenkt werden und liegt momentan bei ca. 32 MB.

 

Lars Sobiraj: Die Roadmap wurde entfernt, warum?

Colin Finck: Die bis dato auf der Website verfügbare Roadmap entsprach nicht mehr dem tatsächlichen Entwicklungsprozess. Zum Beispiel fand bis jetzt noch keine eigene Entwicklung an dem SMB-Protokoll statt, welches als Element von ReactOS 0.4 aufgeführt war. Auf der anderen Seite wird bereits seit einiger Zeit an Win32k gearbeitet, eine neue Explorer-Shell ist ebenfalls in der Entwicklung. Diese beiden Punkte standen erst für ReactOS 0.5 auf der Liste.

In naher Zukunft soll die Roadmap durch eine neue ersetzt werden, welche sich näher an der tatsächlichen Entwicklung orientiert.

 

Lars Sobiraj: Colin, viel Glück und vielen Dank für das ausführliche Gespräch! Das Original des Interviews wurde hier veröffentlicht. 

 

Anmerkung: ReactOS kann man kostenlos wahlweise als BootCD oder LiveCD von hier herunterladen, um es auszuprobieren.

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OpenStreetMap im Interview (Repost) https://tarnkappe.info/open-streetmap-im-interview-repost/ https://tarnkappe.info/open-streetmap-im-interview-repost/#comments Mon, 15 Jan 2018 07:00:41 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24580

OpenStreetMap (OSM) – Die ganze Welt mit einfachsten Mitteln kartografieren und das Material allen Menschen kostenlos zur Verfügung stellen? Nachdem das Projekt anfangs belächelt wurde, benutzen seit ein paar Jahren sogar Navigations-Apps wie skobbler (iPhone/Android) das frische Kartenmaterial der ehrenamtlichen Mapper. Außerdem wurde OSM mittlerweile auf einer Vielzahl von Webseiten eingebaut. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man die Daten auch für CAD-, 3D-Programme oder andere Projekte benutzen kann.

OpenStreetMap (OSM) ist ein freies Projekt, bei dem Freiwillige ohne jeden kommerziellen Hintergrund frei nutzbare Geodaten sammeln. Mithilfe dieser Daten können Weltkarten gerendert oder Spezialkarten erstellt werden. Die Datenbank kann völlig flexibel eingesetzt werden, so sind viele andere Projekte wie die Mateka´te oder OSM3D, die dreidimensionale Variante, möglich. Wir haben uns darüber eingehend mit Frederik Ramm unterhalten. Er hat gemeinsam mit Jochen Topf mehrere Auflagen ihres Buches “OpenStreetMap – Die freie Weltkarte nutzen und mitgestalten” veröffentlicht.

 

Lars Sobiraj: Hallo Frederik! Wie bist du zu OSM gekommen, was genau tust du dort und was reizt dich persönlich daran?

Frederik Ramm: Mein Name ist Frederik Ramm, ich bin 38 Jahre alt und studierter Wirtschaftsingenieur – damit also in der Kartografie genauso ein Laie wie so ziemlich alle anderen bei OpenStreetMap auch. Mein Einstieg bei OpenStreetMap war insofern etwas ungewöhnlich, als dass ich gar nicht als “Mapper” anfing (also als Datensammler), sondern als Programmierer; ein Freund hatte das Mappen angefangen und fluchte ab und zu über den OSM-Editor, ich sagte “das kann man doch leicht verbessern“, und schon hatte ich die Arbeit. Später war ich eine ganze Zeit lang der Hauptentwickler dieses Editors, und mit dem Mappen habe ich natürlich auch irgendwann angefangen. Ich fand Landkarten jeder Art schon immer spannend, und dass ich mit diesen Daten jetzt selber herumhantieren kann, macht mir Freude. Ich bin auch täglich aufs Neue begeistert von dem Engagement der vielen Mapper überall auf der Welt.

 

Lars Sobiraj: Open StreetMap hat viel zu tun mit Sport (Fahrradfahren), einem gemeinschaftlichem Erleben, Wettbewerb und Technik. Was aber ist das Geheimrezept dahinter, wieso funktioniert das bei uns in Deutschland und der Welt so gut?

Frederik Ramm: Ich glaube, da gibt es überall ganz unterschiedliche Gründe, warum das geht oder auch nicht so gut geht. Es gibt Gegenden, da entsteht durch OpenStreetMap das erste Mal überhaupt eine brauchbare aktuelle Karte für Jedermann. In den reichen westlichen Ländern haben wir in der Regel zwar brauchbares Kartenmaterial, aber wenn man das auf die Nutzergruppen runterbricht, ist oft auch Fehlanzeige – das meiste ist halt für Autofahrer gemacht. Ein Geheimrezept gibt es vermutlich nicht – es ist nur am Anfang schwer. Solang du noch keine brauchbaren Daten hast, fragen die meisten natürlich: Was soll ich da mitmachen, das wird doch nie was. Und so kommst du auch nicht zu brauchbaren Daten. Der Projektgründer Steve Coast, ist praktisch jahrelang von einer Konferenz zur nächsten getingelt und hat allen erzählt, wie toll OpenStreetMap ist, und irgendwann haben es die Leute dann halt auch geglaubt, und dann ging die Erfolgsgeschichte los.

 

OpenStreetMap: A Year of Edits 2012 from Derick Rethans.

Das haben wir ein kleines bisschen auch der Wikipedia zu verdanken. Wenn einem die Leute ins Gesicht sagten, dass das doch nie was wird, konnte man immer die Geschichte von der Wikipedia erzählen, und die hatten die meisten dann schon irgendwo gehört, und das ließ sie nachdenklich werden.

OpenStreetMap läuft aber nicht überall auf der Welt gleich gut. Wir haben zum Beispiel in den USA sehr viele Daten, weil wir einen amtlichen Datenbestand importieren konnten, aber die Community entwickelt sich dort nur langsam.

 

Lars Sobiraj: Vielleicht magst du allen Nichtkennern kurz erklären, wie ihr die Straßen kartografiert.

Frederik Ramm: Die Standardmethode ist: GPS einschalten, sodass es jede Sekunde die Position abspeichert, dann herumfahren oder – laufen und dabei Notizen machen – zu Straßennamen, Art der Straße, Points of Interest (also so etwas wie Briefkästen) und allem anderen. Später am Rechner lädt man dann den GPS-Track und die existierenden OSM-Daten der Gegend und zeichnet die neu gewonnenen Informationen ein.

In der Presse wird es oft vereinfachend so dargestellt, als bräuchte man einfach nur sein GPS einzuschalten und könne die Daten nachher zu OpenStreetMap hochladen und “so entsteht dann die Weltkarte”. Das ist natürlich Humbug, denn das GPS weiß ja nicht, wie eine Straße heißt. Ohne Handarbeit geht es also nicht.

openstreetmap

 

Lars Sobiraj: Wie viel Prozent der Fläche Deutschlands habt ihr denn so schon erfassen können? Und wie schaut es in anderen Ländern Europas aus? Wie viele Mapper gibt es eigentlich?

Frederik Ramm: Das sind ziemlich schwierige Fragen. Ich könnte jetzt angeben und sagen: Wir haben 250.000 angemeldete Benutzer. Stimmt auch. Aber davon haben nur 120.000 jemals was gemappt, und wenn man schaut, wie viele davon wirklich regelmäßig was machen, dann sind es vielleicht nur 20.000 weltweit. Und die Flächenfragen kann ich auch nicht beantworten – denn wann ist eine Fläche denn “erfasst”? Wenn eine Autobahn durchgeht, oder wenn auch die Telefonzelle neben der Toilette in der Kleingartenkolonie im Autobahndreieck gemappt ist?

OpenStreetMap ist niemals fertig, es gibt immer noch was Neues zu tun. In den deutschen Städten haben wir jetzt eigentlich schon seit Langem fast alle Straßen, aber Hausnummern fehlen uns noch sehr viele. Bei kleinen Orten auf dem Lande kann es schon mal sein, dass wir nur die Durchgangsstraße haben. Neulich war ich in Bad Waldsee, einer Kleinstadt im Schwäbischen mit immerhin 20.000 Einwohnern, und musste mit Schrecken feststellen, dass das erst halb gemappt war. Ich habe mir gleich ein GPS geschnappt und bin los, aber es fehlt auch heute noch einiges.

Die meisten anderen Länder Europas liegen etwas hinter Deutschland, holen aber kräftig auf.

 

Lars Sobiraj: Die kommerzielle Konkurrenz hat anfangs verächtlich, später besorgt auf euch reagiert. Wie klappt es denn mittlerweile? Gibt es Pläne für eine Zusammenarbeit? Kommt eines Tages vielleicht sogar ein tomtom oder ein anderes Navi mit euren Daten heraus Aktuellere Daten als eure dürfte es ja kaum geben.

Frederik Ramm: Es gibt ja für das iPhone und mittlerweile Android schon eine kommerzielle Navi-Lösung mit OSM-Daten, nämlich skobbler. Die (und ihre Kunden) scheinen ganz gut damit zu fahren. Was die Gerätehersteller betrifft, bleibt abzuwarten – Google einige der Hersteller ja schon zu “lebenslange kostenlose Kartenupdates”-Angeboten genötigt, das heißt, diese Hersteller verdienen auch an Kartenupdates nichts mehr und hätten keinen Schaden, wenn sie ihre Plattformen für OpenStreetMap-Daten öffneten. Aber vielen ist auch der ganze Open Source-/Open Data-Gedanke fremd, die sind so zementiert in ihrer Kultur von geistigem Eigentum und der Maximierung seines wirtschaftlichen Nutzens, dass es ihnen schwerfällt, sich Geschäftsmodelle vorzustellen, die nicht auf irgendeiner Art von “Kopierschutz” beruhen.

 

openstreetmapLars Sobiraj: Google dürfte ja auch Interesse an eurem Material haben. Wurde da schon bei euch angeklopft?

Frederik Ramm: Google braucht nicht bei uns anzuklopfen, die können unsere Daten genauso nehmen wie jeder andere auch, wenn sie sich an die Lizenzbedingungen halten.

 

Lars Sobiraj: Die Datenbank für die ganzen Geodaten ist ja völlig flexibel. So kann man diese auch für ganz andere Dinge benutzen, wie zum Beispiel die Matekarte oder OSM 3D. Was ist sonst noch in der Planung?

Frederik Ramm: OSM ist nicht zentral gesteuert, die nächste Spezialkarte entsteht sicherlich gerade irgendwo auf der Welt im Kopf eines Geeks, der Mate trinkt …

 

 

Lars Sobiraj: Projektgründer Steve Coast gründete CloudMade. Sind aus dem Projekt weitere Firmen entstanden? Wie konntest du deine Arbeit bei OSM für dein Berufsleben benutzen?

Frederik Ramm: Mir sind außer Cloudmade und meiner Firma, der Geofabrik, keine bekannt, die sich fast ausschließlich mit OSM beschäftigen, aber es gibt eine Anzahl von Freelancern, die über ihre OSM-Aktivitäten mittlerweile auch in der Lage sind, im OSM-Bereich Dienstleistungen anzubieten. Die Geofabrik verkauft Datendienste (zum Beispiel WMS- und Tile-Server mit OSM-Daten) und Know-How (wir helfen Leuten beim Einsatz von OSM oder der Installation eigener Server). Wir sind da ganz offen – das Erste, was ich einem Kunden am Telefon sage, ist meistens, dass er sich alles, was er von mir bekommt, auch kostenlos bei OSM herunterladen kann – ich verkaufe ihm nur eine Zeitersparnis.

 

Lars Sobiraj: Wie geht es mit OpenStreetMap weiter, was ist für die nächste Zeit geplant?

Frederik Ramm: Geplant ist zentral gar nichts, wie schon gesagt; das Einzige, wo ein paar Leute ein bisschen planen, ist, welche Hardware wir brauchen, um der wachsenden Last gerecht zu werden.

openstreetmap buch

Wie es weitergeht – es wird bestimmt mehr Nischenanwendungen geben, also Spezialkarten etwa für verschiedene Sportarten oder Geschmäcker, Spezial-Routing, Kartenvorlesesysteme, Stromnetzkarten und so weiter. Hie und da zeichnen sich aber auch Auseinandersetzungen in der Community ab, und manchmal liegt der Hauch einer (böses Wort) Relevanzdiskussion in der Luft. Ich erwarte auch 2010 oder 2011 irgendeine Art von Google MapMaker für Deutschland, also einen Vorstoß von Google in “unser” Terrain, sodass Nutzer an den Google-Karten herumverbessern können – es bleibt auf jeden Fall spannend.

Lars Sobiraj: Dann euch weiterhin viel Erfolg mit OSM und vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!! Wer jetzt selber Lust auf’s Mappen bekommen hat:

Hier findet man den aktuellen Terminkalender inklusive aller Stammtische und anderer Events in aller Welt!

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Chelsea Manning: Wikileaks-Informantin will für US-Senat kandidieren https://tarnkappe.info/chelsea-manning-wikileaks-informantin-will-fuer-us-senat-kandidieren/ https://tarnkappe.info/chelsea-manning-wikileaks-informantin-will-fuer-us-senat-kandidieren/#respond Sun, 14 Jan 2018 18:04:10 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24581

Die Whistleblowerin Chelsea Manning will als Kandidatin der Demokraten im US-Bundesstaat Maryland für den US-Senat zu den Wahlen im November antreten. Mannings Kandidatur wurde am Donnerstag (11.01.2018) bei der Federal Election Commission eingereicht. In einer, im Juni 2018 stattfinden Vorwahl, müsste sie gegen den demokratischen Senator Ben Cardin antreten, der das Amt seit 2007 innehat und als Favorit gilt, berichtet The Washington Post.

Nur ein paar Monate nach ihrer Begnadigung und darauf folgenden Freilassung im Mai 2017, bewirbt sich Chelsea Manning als demokratische Senatorin. Sie registrierte sich am 5. Januar bei der US-Wahlkommission, ihren Antrag zur Kandidatur reichte sie am Donnerstag in North Bethesda in Maryland ein. Manning selbst äußerte sich nicht dazu. Ihre Chancen werden allerdings nur als gering eingestuft. Ihr Gegner, der etablierte 74-jährige Demokrat Ben Cardin, ist bereits seit 2007 im Amt und würde über ein Wahlkampfbudget in Höhe von zwei Millionen US-Dollar verfügen und zudem auf eine Zustimmungsrate von 50 Prozent zählen können, wie Baltimore Sun berichtet.

Als WikiLeaks-Informantin hatte Chelsea Manning mehr als 700.000 geheime Dokumente und Aufnahmen mit Bezug zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan von Militärrechnern heruntergeladen und 2010 der Enthüllungsplattform zugespielt. Sie war damals als Obergefreiter Bradley Manning in der Nähe von Bagdad stationiert. Im Mai 2010 war Manning unter dem Verdacht verhaftet worden, Videos und Dokumente, die amerikanische Militärmissbräuche im Irak und in Afghanistan aufdeckten, an WikiLeaks weitergereicht zu haben. Im August 2013 wurde sie durch ein US-Kriegsgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt. Ex-Präsident Barack Obama begnadigte Manning jedoch zum Ende seiner Präsidentschaft. So kam sie im Mai 2017 nach sieben Jahren Freiheitsstrafe aus dem Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas vorzeitig frei. Während der Gefangenschaft nahm sie eine Geschlechtsumwandlung vor und nannte sich fortan Chelsea Elizabeth. Donald Trump jedoch bezeichnete Manning als “Verräterin”, die das Gefängnis “niemals” hätte verlassen dürfen. Manning zog nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nach Maryland. Seit 2015 schreibt sie für den Guardian zu Themen wie Transparenz, freie Meinungsäußerung, Bürgerrechte, Transgender-Rechte und Computersicherheit.

Todd Eberly, Professor für Politikwissenschaft am St. Mary’s College in Maryland, meint, dass Donald Trumps unerwarteter Aufstieg zum Präsidenten die Tür für politische Neulinge wie Manning öffnete: “Mein ursprünglicher Gedanke war buchstäblich: Donald Trump ist Präsident, Oprah Winfrey ist die führende Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten im Wahljahr 2020, warum zur Hölle nicht Chelsea Manning im US-Senat?”.

Bildquelle: Wokandapix, thx! (CC0 Public Domain)

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RetroShare-Interview: Filesharing & Kommunikation undercover (Repost) https://tarnkappe.info/retroshare-interview-filesharing-kommunikation-undercover-report/ https://tarnkappe.info/retroshare-interview-filesharing-kommunikation-undercover-report/#respond Sun, 14 Jan 2018 11:00:18 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24564

RetroShare ist ein plattformübergreifendes Open-Source-Programm zwecks P2P-Filesharing und andere Formen der Kommunikation. Wenn die direkten Kontakte vertrauenswürdig sind, kann man mit nur geringer Abmahngefahr Dateien austauschen. Das letzte Update (v0.6.3) erschien im August 2017. Von Versionsnummer 1.00 ist man also noch immer weit entfernt.

Ich habe das Interview mit drBob ursprünglich im Februar 2012 durchgeführt. Er ist einer der Erfinder und Entwickler dieses Programms. Der Schwerpunkt des Clients liegt aber nicht alleine beim Thema Filesharing, sondern vielmehr auf der Wahrung der Privatsphäre der Teilnehmer. Ziel ist es, unzensierte Nachrichten und Forenpostings auszutauschen, ohne dass Dritte die Identität der Teilnehmer erahnen können. Natürlich wird auch Wert darauf gelegt, dass es kein Unternehmen gibt, das über jeden einzelnen Schritt Bescheid weiß, den sie im Internet unternehmen.

Lars Sobiraj: Magst Du dich unseren Lesern einmal vorstellen?

drBob: Hallo liebe Leser. Ich bin DrBob, der ursprüngliche Schöpfer von RetroShare. RetroShare ist eine Art Soziales Netzwerk, welches einem im Internet die Freiheit und Privatsphäre zurück gibt. Es erlaubt dir, alles mit deinen Freunden zu teilen und zu schreiben, was du willst. Wir sind ein über ganz Europa verstreutes Entwickler-Team aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, das RetroShare in seiner Freizeit entwickelt.

 

Lars Sobiraj: Kannst Du uns bitte zunächst die Funktionsweise des Programms erklären?

drBob: RetroShare ist eine Applikation, die zum privaten Austausch gedacht ist. Es erstellt ein dezentralisiertes Netzwerk mit euren Freunden. Ihr könnt das Programm kostenlos von hier herunterladen und installieren.

Man tauscht im Normalfall per E-Mail die „Zertifikate“ aus, die euch untereinander identifizieren. Wenn ihr eure Freunde geadded habt, verbindet euch Retroshare direkt über das Internet. Befindet man sich im Netzwerk, kann man:

  • privat mit seinen Freunden chatten
  • Chat-Räume betreten, wo man Gruppengespräche (ähnlich wie im IRC) mit vielen Personen führen kann
  • das Netzwerk nach angebotenen Dateien durchsuchen
  • etwas von Freunden oder dem größeren Netzwerk anonym herunterladen
  • in ein Forum schreiben, wo man hervorragend diskutieren oder Links austauschen kann
  • Kanäle erstellen, wo man Dateien mit den Freunden oder dem ganzen Netzwerk austauschen kann.

 

i2p fbiLars Sobiraj: Warum habt ihr das Programm überhaupt so genannt?

drBob: Als meine Freunde die erste Version sahen, sagten sie: „Oh, es sieht so altmodisch (retro) aus.“ Das Programm bezieht sich auf die guten alten Tage, als noch jedermann alles direkt ausgetauscht hat. Also lange, bevor BitTorrent, Twitter oder der „Iike“-Button alles öffentlich machte.

 

Lars Sobiraj: Wie viele Personen arbeiten an dem Projekt? Was ist ihre Aufgabe, was ist ihr Job im echten Leben?

drBob: Im Kernteam befinden sich fünf Entwickler, die alle in ihrer Freizeit mitwirken, um den Client zu verbessern. Daneben gibt es noch einige andere Personen, die uns mit Patches, Grafikdesign und Übersetzungen helfen. Unsere Community hat uns sehr dabei geholfen, die Funktionalität auszuprobieren, Fehler zu melden und uns neue Features vorzuschlagen. Ich arbeite meistens am Backend, erstelle den Code für das Netzwerk. Mein richtiger Job ist das Entwerfen von Windturbinen.

Chris: Ich arbeite am Backend und bin Software-Entwickler.

Thunder: Meine Aufgabe ist die Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche und Verbesserungen unter Windows. Ich bin auch Software-Entwickler.

Defnax: GUI- und Windows-Entwicklung. Ich arbeite als Assistent der technischen Geschäftsführung.

Cyril: Dateitransfers und dezentralisierte Chat-Protokolle. Ich forsche im Bereich Computergrafik.

 

Lars Sobiraj: Was war eure Intention, diesen Client zu erstellen?

drBob: Wir möchten das best mögliche private Netzwerk erstellen. Damit die Leute miteinander chatten können, Links und Dateien austauschen können, anonym in Foren schreiben, Aktivitäten gemeinsam planen, Dokumente ändern können und so weiter. Also eigentlich alles, was man in den bestehenden sozialen Netzwerken tun kann – aber mit Wahrung der Privatsphäre. Alles was wir im Internet tun, wird von Marketingfirmen und sozialen Netzwerken ausgewertet. So muss es nicht sein. Man sollte in der Lage sein, sich wirklich privat auszutauschen. Und dieses Programm zeigt, dass es möglich ist.

 

retroshareLars Sobiraj: Was ist euer Schwerpunkt: Die Kommunikation untereinander oder der Dateiaustausch?

drBob: Die Privatsphäre steht bei uns ganz klar im Mittelpunkt, ein zuverlässiges Netzwerk mit Freunden aufzubauen. Es ist dieses Netzwerk, welches euch erlaubt, sowohl uneingeschränkt zu kommunizieren als auch Daten auszutauschen. Wir finden, Kommunikation sollte auch ohne Facebook oder Gmail möglich sein, die im Einzelnen über alles Bescheid wissen was wir tun. Ein nicht überwachter und wirklich freier Austausch ist uns am wichtigsten.

 

Lars Sobiraj: Wie entwickelt sich eure Community? Wächst die Zahl der Unterstützer?

drBob: Die Community von Retroshare wächst kontinuierlich an. Wir hatten unseren besten Monat im Februar 2012, wo über 10.000 Transfers durchgeführt wurden. Momentan sind es zwischen 500 und 1000 Personen, die gleichzeitig online sind. Das ist aber nur eine Schätzung. Wir wissen nicht, wie viele Personen im „Darknet“-Modus unterwegs sind.

Wir haben Chaträume in Version 0.5.3 eingebaut. Das hat das Gemeinschaftsgefühl ungemein gestärkt, weil man so die Freunde seiner Freunde kennenlernen kann. Es war auch teilweise nützlich für die Entwickler. Wir erfahren von den Anwendern direkt neue Fehler und können allen die Anwendung des Programms erläutern.

 

Lars Sobiraj: Wie wollt ihr dafür garantieren, dass RetroShare nicht wie Anomos endet? Anfangs begann Anomos zum anonymen Filesharing sehr aussichtsreich, wenig später wurde es auf Eis gelegt (wo es übrigens bis heute liegt).

drBob: Wir arbeiten jetzt schon viele Jahre daran und fühlen uns dem Projekt verpflichtet. Auch gibt es eine wachsende Anzahl von Anwendern und eine aktive Gemeinschaft. Das ermuntert uns und hilft unserer Arbeit ungemein.

 

retroshareLars Sobiraj: Ihr seid scheinbar noch weit weg von Version 1.0. Was fehlt euch denn noch auf dem Weg dorthin? Wann kann man mit der ersten offiziellen Version rechnen?

drBob: Das ist nichts weiter als eine Versionsnummer, die ständig hochgezählt wird.

V0.1 war rein textbasiert mit Standard-SSL-Zerifikaten und wurde nie veröffentlicht
V0.2 fusste auf FLTK (Fast Light ToolKit) mitt XPGP-Zertifikaten
V0.3 war die erste Version mit Qt (Bibliothek)
V0.4 fügte dem Programm verbesserte Protokolle hinzu
V0.5 führte GPG-Identitäten ein
V0.6 wird eine verbesserte Privatsphäre und neue Funktionen von sozialen Netzwerken einführen.

In den nächsten 3-6 Monaten planen wir den Abschluss von V0.6.0. Diese Version wird dem Client hinzufügen:

  • VoIP (nach einigen Versprechungen haben wir jetzt endlich etwas Code geliefert bekommen!)
  • Gruppen (mit diesen kann man kontrollieren, mit wem man Transfers durchführt)
  • Wiki-Seiten
  • der Austausch von Bildern
  • ein Service ähnlich wie Twitter
  • ein Plug-in-System, welches es Entwicklern erlauben wird ihre eigenen Programmteile einzubinden.

V1.0 kommt, sobald RetroShare fertig ist. Aber lasst euch davon bitte nicht abhalten, den Client zu benutzen. Unsere Software wurde ausführlich getestet und wird schon von Tausenden Menschen eingesetzt.

 

Lars Sobiraj: Was könnte für Einsteiger eine Hürde darstellen?

drBob: Der schwierigste Teil dürfte sein, die ersten privaten Kontakte aufzubauen. Manche Leute laden sich die Software herunter und geben dann nach kurzer Zeit auf. Ohne eure Freunde ist Retroshare nichts wert. Nehmt euch ein wenig Zeit, euch gut zu vernetzen, bevor ihr aufgebt. Wir empfehlen euch, eine Gruppe von fünf bis zehn Personen zu suchen, die die Nutzung lohnenswert macht.

Wir haben unsere Arbeiten an einem „Bekanntmachungs-Server“ abgeschlossen, wo Anwendern ermöglicht wird, sich auszutauschen und mit anderen Anwendern unverzüglich zu chatten. Wir können beim Aufsetzen eines virtual private servers (VPS) behilflich sein, was es einfacher macht, mit seinen Freunden und der Familie verbunden zu sein.

 

freenet webseite screenshotLars Sobiraj: In Deutschland werden monatlich etwa 10.000 Abmahnungen an die Anschlussinhaber von IP-Adressen verschickt. Viele Peer-to-Peer Clients werden noch immer weiterentwickelt. Warum sind es so wenige Programme, wenn es ums anonyme Filesharing geht?

drBob: Möglicherweise weil es schwierig ist, ein Filesharing-Netzwerk aufzubauen. Ein anonymes Netzwerk umso mehr. In den letzten fünf Jahren fand ein Wechsel von den P2P-Netzwerken hin zu Streaming- oder Filehosting-Anbietern statt. Von daher besteht wenig Interesse an der Entwicklung von Filesharing-Netzwerken. Und da heutzutage jeder Web-Entwickler wird, gibt es immer weniger Menschen, die ein solches Netzwerk aufbauen könnten.

 

Lars Sobiraj: Im Gegensatz zu Freenet oder I2P ist man als Anwender nicht gänzlich frei von Gefahr von einem der Rechtsanwälte der Content-Industrie erwischt zu werden. Warum sind die Transfers mit den Kontakten ersten Grades unsicher? Würden die Transfers langsamer vonstatten gehen, wäre gänzlich alles verschlüsselt?

drBob: Fast jedes Netzwerk ist anfällig für bösartige Nachbarn. Sie wissen, wonach du suchst und welche Daten übertragen werden. Bei Freenet oder I2P sind es die zufällig ausgewählten Nodes, die anfällig sind. Bei Retroshare sind es die vertrauenswürdigen Freunde, die dich nicht verraten werden. Von daher stellen wir mehr Sicherheit bereit als andere Netzwerke. Das macht uns zu einem gesicherten Netzwerk. Jeder Transfer läuft über diese sicheren Zahnräder. Das macht es für Dritte schwer bei uns einzudringen und sehr herausfordernd, das alles zu überwachen.

In den meisten Fällen wird ein anonymes Filesharing-Protokoll angewendet. Dieses wurde erstellt, damit selbst deine direkten Kontakte nicht mit letzter Gewissheit wissen können, ob ihr der Empfänger seid oder die Daten lediglich weiterleitet. Der direkte Austausch findet nur bei den Dateien statt, die für eure Freunde einsehbar sind. Somit wissen sie, dass du die Datei schon vorrätig hast. Alle Daten werden bereits per SSL verschlüsselt. Es gibt keinen Grund, eine extra Verschlüsselungsschicht darüber zu legen.

 

retroshare screenshotLars Sobiraj: Für den Moment wurde ACTA in Deutschland und anderen europäischen Staaten abgewiegelt. Wie wird sich das Urheberrecht verändern? In Neuseeland wurde Megaupload von Mitarbeitern des US-amerikanischen FBI hochgenommen. In Deutschland passierte ähnliches mit der Streaming-Webseite Kino.to. Wird es schon bald normal sein, dass die Anbieter von urheberrechtlich geschützten Dateien durchsucht, ihre Hardware und ihre Domain beschlagnahmt wird?

drBob: Die Rechteinhaber werden alle juristischen Maßnahmen in Anspruch nehmen, die man ihnen zugesteht. Die Regierungen kümmern sich nur darum, wenn jedermann aufsteht damit ihre Stimme auch Gehör findet. Die gemeinsamen Aktionen gegen SOPA waren fast das erste Mal, dass man im Internet wirklich gemeinsam gegen etwas protestiert hat. Wir sind froh, dass manche Länder der EU die Gefahren von ACTA erkannt haben. Wir müssen versuchen, durch noch mehr Informationen für mehr Bewusstsein zu sorgen.

Retroshare ist eine technische Möglichkeit, dieses Problem zu beheben. Wenn wir leistungsfähige zensurresistente private Netzwerke aufbauen können, dann werden uns derartige Regelungen nicht mehr in dem Maß betreffen.

 

Lars Sobiraj: Die P2P-Comunity TvTorrentz.org hat sich aufgelöst und sind jetzt bei euch voll integriert. Wie hat sich das Datenaufkommen dadurch verändert? Wie viele aktive User habt ihr denn täglich?

drBob: Wir haben einen starken Anstieg an Downloads festgestellt. Der genaue Grund dafür ist uns aber nicht bekannt. Ganz offensichtlich hat es mit dem medienwirksamen Auftritt von ACATA, SOPA und dem Bust von Megaupload zu tun. Wir waren mit den Leuten von TvTorrentz.org nicht in Kontakt. Wir hoffen aber, dass sie Spaß bei der Nutzung unseres Programms haben. Es sind momentan zwischen 500 und 1000 Personen gleichzeitig aktiv. Genauere Zahlen kann ich nicht angeben, weil unser Netzwerk privat und dezentralisiert aufgebaut wurde.

 

Lars Sobiraj: Gab es je Kontaktversuche mit The Pirate Bay oder anderen populären Webseiten, um mit diesen zu kooperieren?

drBob: Wir sind in Kontakt mit anderen Gruppen, die sich auf den Schutz der Privatsphäre im Netz spezialisiert haben. So etwa beispielsweise Social Swarm und FreedomBox. Es gab keinen Kontakt mit The Pirate Bay oder anderen BitTorrent-Portalen.

 

retroshare

Lars Sobiraj: Seid ihr jemals von Anwaltskanzleien von Musiklabels, der RIAA oder anderen Rechteinhabern kontaktiert worden?

drBob: Nein. Wir speichern keine Links zu urheberrechtlich geschütztem Material. Wir ermuntern auch niemandem zum illegalen Filesharing. Was wir anbieten, ist ein absolut privater Dateiaustausch. Wir haben keine Kontrolle oder Wissen darüber, was unsere Anwender tun. Und genauso soll es ja auch sein.

 

Lars Sobiraj: Danke an alle Teilnehmer für das Interview!

Die Software ist hier kostenlos für Debian, Mac OS X, Windows XP, Vista, 7 & 10, Ubuntu, ROSA Linux, Mageia, Gentoo, Slackware, CentOS, Fedoa, OpenSuse, Arch Linux, FreeBSD und viele andere Betriebssysteme erhältlich.

P.S.: Im November 2012 wurden Einstweilige Verfügungen gegen Nutzer von RetroShare erlassen, weil man ihnen Filesharing urheberrechtlich geschützter Werke vorwirft. Bis heute wurde nicht endgültig geklärt, wie die Rechteinhaber bzw. deren IT-Dienstleister an die IP-Adressen gelangt sind. Möglicherweise waren die direkten Kontakte der Betroffenen weniger vertrauenswürdig, als ursprünglich gedacht.

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Europol zerschlägt international agierendes, illegales IPTV-Streaming-Netzwerk https://tarnkappe.info/europol-zerschlaegt-international-agierendes-illegales-iptv-streaming-netzwerk/ https://tarnkappe.info/europol-zerschlaegt-international-agierendes-illegales-iptv-streaming-netzwerk/#comments Sat, 13 Jan 2018 18:51:38 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24554

Eine, am 11. Januar 2018 von Europol, unter Beteiligung von Polizeieinsatzkräften aus Zypern, Griechenland, Bulgarien und den Niederlanden, geleitete Operation, zielte auf eines der größten illegalen Piraten-IPTV-Netzwerke weltweit ab. Es wurden vier Personen verhaftet. Server in Bulgarien und den Niederlanden lieferten den Nachweis für geschätzte 500.000 Abonnenten weltweit, zudem generierte das Netzwerk jährliche Einnahmen von rund fünf Millionen Euro, berichtet Torrentfreak.

Dem illegalen Streaming-Netzwerk wird vorgeworfen, griechische, zyprische und andere Pay-TV-Abonnentenkanäle angeboten zu haben, wobei mehrere Server verwendet wurden, um die illegale Signalverbreitung über Abonnementkanäle zu ermöglichen. Einige der bereitgestellten Kanäle wurden illegal von Sky UK, Bein Sports, Sky Italia und Sky DE bezogen. Diese Dienste seien über Händler in ganz Europa angeboten und als monatliches Abonnement für 20 Euro verkauft worden.

In Zypern, Bulgarien und Griechenland wurden 17 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Am Aktionstag wurden vier Personen verhaftet, eine Person in Bulgarien, drei weitere in Zypern, darunter ein 43-Jähriger und ein 44-Jähriger in Limassol sowie ein 53-Jähriger in Larnaca. Die Festgenommenen waren Teil einer internationalen Bande, die illegal rund 1.200 Kanäle weltweit verbreitet hätten, berichtet Europol in einer Pressemitteilung. Zudem wurden die Server für den illegalen Zugang zu den Kanälen gesperrt. Laut Torrentfreak befanden sich die Hauptserver hinter dem IPTV-Betrieb in Petrich, einer kleinen Stadt in der Provinz Blagoewgrad im Südwesten Bulgariens. Weiterhin beschlagnahmte man in Bulgarien 84 Server und 70 Satellitenempfänger mit Decodern sowie Computer und Buchhaltungsdokumente.

Die Untersuchung gegen das illegale Netzwerk leitete Europol bereits im Februar 2017 ein. An der Aktion beteiligt waren die zypriotische Polizei, die Abteilung für Cyberkriminalität der griechischen Polizei, der niederländische Fiscal Investigative and Intelligence Service (FIOD), die Cybercrime-Einheit der bulgarischen Polizei, Mitglieder der Audiovisuellen Anti-Piraterie-Allianz (AAPA) sowie Europols Intellectual Property Crime Coordinated Coalition (IPC³).

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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Das Freenet Project im Interview (Repost) https://tarnkappe.info/das-freenet-project-im-interview-repost/ https://tarnkappe.info/das-freenet-project-im-interview-repost/#comments Sat, 13 Jan 2018 08:00:30 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24472

Freenet verspricht seinen Anwendern die maximale Anonymität im Internet. Diese Peer-to-Peer-Software befindet sich schon seit 17 Jahren in der Entwicklung. Ich sprach im Sommer 2010 mit Ian Clarke, dem Gründer dieses interessanten Open Source-Projektes.

Ganz ähnlich wie I2P ist Freenet ein dezentralisiertes, Zensur-resistentes Netzwerk, um Informationen auszutauschen. Es begründet sich auf Open Source Software und bietet den Usern eine starke Verschlüsselung und das Maximum an Redefreiheit. Ich habe mich damals mit dem Projektmanager Ian Clarke unterhalten, der mir erklärt hat, welchen Stellenwert freie Meinungsäußerung und Datenschutz für ihn haben.

Lars Sobiraj: Hallo Ian! Möchtest du dich unseren Lesern zunächst kurz vorstellen?

Ian Clarke: Mein Name ist Ian Clarke, ich bin 33 Jahre alt und lebe zusammen mit meiner Frau und zwei Katzen zusammen in Austin, Texas. Ich genieße es (ganz offensichtlich) zu programmieren. Ich gehe gerne schwimmen und wandern und interessiere mich außerdem für Politik und selbst gebaute fliegende Hubschrauber.

 

Lars Sobiraj: Du arbeitest seit dem Jahr 1999 an Freenet. Warum ist das Thema Privatsphäre so wichtig für dich?

Ian Clarke: Die steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt für mich, die Freiheit zu kommunizieren aber schon. Die Möglichkeit anonym zu sein ist sehr wichtig für eine uneingeschränkte Kommunikation.

Mir fiel auf, dass anonyme Kommunikation sehr eng mit der Privatsphäre zusammenhängt. Das Aufrechterhalten der Intimsphäre kollidiert manchmal mit der Freiheit zu kommunizieren. In solchen Fällen bin ich absolut gegen Privatsphäre und für die Kommunikation. Ein Beispiel dafür sind Datenschutz-Gesetze. Ich glaube, die Regierungen sollten mir nicht vorschreiben dürfen, was ich mit den Daten anstelle, die ich gesammelt habe.

 

Lars Sobiraj: Bitte beschreibe uns deine Software etwas näher. Wo sind die Unterschiede zu anderen Lösungen wie I2P oder Tor?

freenet

Ian Clarke: Freenet wurde erstellt, um eine anonyme Veröffentlichung und Konsum von Informationen zu ermöglichen. Es ist wie eine Bücherei, wo Menschen Bücher ungesehen einreichen und abholen können. Dem hingegen funktioniert Tor wie eine Weiterleitung, um anonym Informationen einholen zu können, die anderswo im Internet gespeichert wurden. Freenet ist selbst ein Speichermedium. Du greifst praktisch mit deinem Browser auf Freenet zu, wie du dich auch im Internet bewegst. Allerdings kann es einige Sekunden dauern, um den Inhalt einer Website von Freenet zu laden. Es ist langsamer als das Internet, wir arbeiten an einer Verbesserung der Geschwindigkeit.

Genauer gesagt erlaubt Tor jemandem, eine Website wie Wikileaks zu besuchen, ohne Spuren zu hinterlassen. Aber wenn die Regierung Wikileaks schließt, wäre sie nicht mehr länger erreichbar, weder über Tor noch mit einem anderen Weg. Bei Freenet werden die Informationen von Wikileaks bei Freenet selbst gespeichert und es gäbe keinen Weg mehr diese zu entfernen.

Ich kenne mich mit I2P nicht so sehr aus, aber glaube, es ist auch eher eine Weiterleitung wie Tor und weniger ein Datenspeicher wie Freenet. Ich glaube aber einige Aspekte im Design von I2P wurden durch unser Projekt inspiriert.

 

Lars Sobiraj: Mit der Version 0.7.5 ist eure Software noch weit von Version 1.0 entfernt. Wann können wir damit rechnen und wie wird sie aussehen? (mittlerweile steht man bei Version 0.9.8)

freenet navigate with freedomIan Clarke: Nun, ich würde nicht so sehr auf die Versionsnummern schauen. Einige ausgereifte Applikationen haben noch immer nicht 1.0 erreicht ;-)

Das größte Defizit derzeit ist, dass es zu kompliziert ist, Freenet anzuwenden. Wir haben daran im Laufe der letzten Jahre bereits hart gearbeitet und die Software hat sich schon deutlich verbessert. Aber es ist noch immer ein weiter Weg.

Das nächste große Feature, an dem wir arbeiten, sind Diskussionsforen. Es nennt sich „Free Talk“. Ihr könnt mehr darüber unter http://wiki.freenetproject.org/FreeTalk lesen. Dessen Architektur ist sehr interessant, weil wir das Problem von unerwünschten Spammails bekämpfen müssen, das in einem anonymen System sehr herausfordernd ist.

 

Lars Sobiraj: Wie leicht beziehungsweise kompliziert ist die Anwendung denn jetzt wirklich?

Ian Clarke: Einfacher als es in der Vergangenheit war, aber noch immer komplizierter als es sein sollte. Wer schon mal Software auf seinem Rechner installiert hat, dürfte nicht allzu viele Probleme haben. Es ist aber nicht so final wie Software wie Firefox oder Skype.

 

Lars Sobiraj: Wie viele Personen sind an der Entwicklung beteiligt, womit beschäftigen sie sich?

freenet architectureIan Clarke: Wir haben einen hauptamtlichen Entwickler, dessen Lohn von den Spenden bezahlt wird. Daneben gibt es vielleicht zehn bis fünfzehn andere Personen, die auf unterschiedliche Art einen Beitrag leiste. Manche arbeiten an der Website, andere an der Software selber oder auch indem sie uns wertvolles Feedback geben.

 

Lars Sobiraj: Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Ian Clarke: Freenet wird schneller und einfacher in der Anwendung sein. Auch die eben erwähnten Diskussionsforen werden neben anderen Features implementiert.

 

Lars Sobiraj: Es gibt Gerüchte die besagen, dass solche Netzwerke auch als Obdach für illegale Aktivitäten dienen wie beispielsweise den Vertrieb von kinderpornografischen Werken. Gibt es Wege das zu unterbinden? Ist überhaupt geplant, die Inhalte auf irgendeine Weise zu kontrollieren?

Ian Clarke: Es ist leider wahr, dass solche Systeme, die Freiheit gewährleisten, auch Leuten Schutz bieten, die Dinge tun, mit denen ich nicht einverstanden bin. Das betrifft auch Kinderpornografie. Leider ist es unmöglich das zu unterbinden, ohne den gesamten Zweck von Freenet zu zerstören.

Lars Sobiraj: Wenn sich jeder komplett anonym im Internet bewegen kann, so kann auch niemand mehr von Geheimdiensten aufgespürt werden. Seid ihr jemals von derartigen Institutionen kontaktiert worden oder dauert das, bis die erste offizielle Version herausgekommen ist?

Ian Clarke: Wegen Freenet gab es bisher keinerlei negativ behafteten Kontakt. Tatsächlich unterstützt die US Regierung einige Projekte wie Freenet finanziell. (Ich glaube, die US Navy nutzt Tor.) Trotzdem sind wir deswegen bisher nie angesprochen worden.

 

Lars Sobiraj: Wie sieht für dich die Zukunft des Internets aus? Wird es ein komplett regierungskontrolliertes System sein, pure Anarchie oder irgendetwas dazwischen?

freenetIan Clarke: Wahrscheinlich irgendwas dazwischen. Es hängt davon ab, in welchem Land man lebt. Länder wie Australien bewegen sich derzeit in eine gefährliche Richtung mit ihren aktuellen Internet-Zensurgesetzen. Glücklicherweise kann Freenet stets als letzter Rückzugsort benutzt werden.

Lars Sobiraj: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Ich wünsche dir und dem gesamten Projekt alles Gute für die Zukunft. Mike Godwin von der Electronic Frontier Foundation (EFF) hat den Sachverhalt einst sehr gut zusammengefasst. Er sagte über seine Tochter: „Ich habe Angst, dass sie in 10 oder 15 Jahren kommt und mich fragt:

‘Daddy, wo warst du, als sie euch im Internet die Pressefreiheit genommen haben?’“

Auch deswegen werden solche Vorhaben wie Freenet immer wichtiger, um jede Form der Zensur umgehen zu können. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

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Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nun auch bei Skype https://tarnkappe.info/ende-zu-ende-verschluesselung-nun-auch-bei-skype/ https://tarnkappe.info/ende-zu-ende-verschluesselung-nun-auch-bei-skype/#respond Fri, 12 Jan 2018 14:39:28 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24547

In Zusammenarbeit mit Open Whisper Systems führt Microsoft bei Skype nun ein neues Feature ein, die Funktion der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei privater Unterhaltung, die auf dem Signal Protocol basiert und sowohl für Textchats, Audiotelefonate und Multimedia-Nachrichten gleichermaßen gilt, ausgenommen davon wären lediglich Videotelefonate.

Was für Apple, Whatsapp, Google und Facebook bereits verwirklicht ist, möchte nun auch Microsoft so umsetzen und führt im Skype-Messenger eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein. Mit mehr als 300 Millionen monatlich aktiven Nutzern ist Skype zwar deutlich kleiner als WhatsApp, ist aber dennoch einer der beliebtesten Messenger der Welt. Mit dem neuen Feature wird es auch bei Skype künfig möglich sein, dass nur Sender und Empfänger eine für sie bestimmte Nachricht empfangen. Weder ein Server dazwischen noch ein spionierender Dritter hätte demnach mehr eine Chance darauf, die Daten abzugreifen.

Möglich zu senden sind Audiogespräche sowie Textnachrichten. Auch das Weiterleiten von Dateien, wie Bilder, Sprach- oder Video-Dateien, wären enthalten. Laut Skype-Support klickt man zum Starten eines verschlüsselten Chats auf das Plus-Symbol und wählt “neue Private Unterhaltung” aus. Inhalte aus den Chatunterhaltungen wären weder in der Chat-Übersicht noch in den Benachrichtigungen sichtbar. Privaten Unterhaltungen lassen sich jederzeit beenden und löschen.

Jedoch wird auch auf Einschränkungen hingewiesen: So können nur Unterhaltungen zwischen zwei Personen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nutzen, bei Gruppenchats wird darauf verzichtet. Die Ausnahme in Skypes neuem Verschlüsselungs-Feature sind zudem die Videotelefonate. Diese werden derzeit nicht geschützt sein. Dazu wäre im Live-Betrieb zu viel Rechenleistung nötig. Auch ist die Funktion nur auf dem jeweils verwendeten Gerät aktiv, bei einem Wechsel muss die Funktion erneut aktiviert werden. Zur Aktivierung wird eine Einladung an den gewünschten Kontakt gesendet, die innerhalb einer Zeit von sieben Tagen angenommen werden muss, da sie ansonsten verfällt. Die aktivierte Verschlüsselung eines Chats wird mit einem Schlosssymbol gekennzeichnet sein.

Derzeit sind die neuen “Privaten Unterhaltungen” nur in der Insider-Version von Skype zu finden, die man unter Windows, macOS, Linux, Android und iOS ausprobieren kann. Der Ende-zu-Ende-verschlüsselte Chat ist demnach verfügbar, wenn beide Nutzer die Vorschauversion 8.13.76.8 installiert haben. Wann es eine Einführung des Features für alle Skype-Nutzer geben wird, hat Microsoft noch nicht bekanntgegeben. Das hier zum Einsatz kommende offene Signal-Protokoll, das durch den gleichnamigen Messenger bekannt wurde, gilt als sehr sicher. Zu den prominentesten Nutzern zählt auch Edward Snowden.

Laut Wired gibt es auch Kritik am neuen Feature. So beanstandet Eva Galperin von der Electronic Frontier Foundation am neuen Feature, “dass die Metadaten von Konversationen noch immer von Microsoft gesammelt werden. Dennoch begrüßt sie den Schritt in Richtung von mehr Privatsphäre für Skype-Nutzer — obgleich diese die Funktion für einzelne Konversationen manuell aktivieren müssen.”

Bildquelle: 27707, thx! (CC0 Public Domain)

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State of the Art: Über die Formen der Monetarisierung von illegalen Webseiten https://tarnkappe.info/state-of-the-art-ueber-die-formen-der-monetarisierung-von-illegalen-webseiten/ https://tarnkappe.info/state-of-the-art-ueber-die-formen-der-monetarisierung-von-illegalen-webseiten/#comments Fri, 12 Jan 2018 08:00:26 +0000 https://tarnkappe.info/?p=24444

Piratenjäger Volker Rieck erläutert in seinem Artikel, wie sich Webseiten aus dem Graubereich heutzutage finanzieren. Mit den guten alten Bannern ist es längst nicht mehr getan. Dieser Beitrag erschien vor einer Woche beim Blog Webschauder.de und wird bei uns mit freundlicher Erlaubnis des Autors veröffentlicht.

Unregulierte Distribution von Inhalten im Internet (Piraterie) ist und war nie ein Akt der Selbstlosigkeit. Sie war stets beherrscht von Gewinnerzielungsabsichten. Insofern ähneln sich legale und illegale Geschäftsmodelle im Netz. Während für seriöse Unternehmen wie Netflix, Amazon oder Sky regelmäßige Einnahmen über Abonnenten die Grundlage des Geschäftes sind, haben die illegalen Schattenangebote diese Möglichkeit nicht. Spätestens bei regelmäßigen Zahlungen würde man den Betreibern auf die Spur kommen. Die Monetarisierung von illegalen Seiten geschieht daher in der Regel anders.

Dieser Artikel gibt einen Überblick von der Dynamik wechselnder Finanzierungen und neue Einnahmeformen von strukturell rechteverletzenden Seiten. Die nachfolgenden Erkenntnisse beruhen auf der Arbeit des Content Protection Dienstleisters FDS File Defense Service (FDS).

Money for nothing

In der Vergangenheit wurden auf Seiten wie z. B. Thepiratebay (TPB) oder Kickasstorrent (KAT) stets Bannerplätze vermarktet. Seit der Stilllegung von KAT im Sommer 2016 ist auch bekannt, welche Umsätze so geniert werden, da US Ermittler Kontenbewegungen bei KAT mitverfolgten.

Die 500 Millionen Besuche im Monat bei KAT spülten monatlich über 3 Millionen Euro in die Kassen der Betreiber. Angesichts der überschaubaren Kosten – Inhalte wurde ja nie lizenziert – dürfte das ein Geschäft mit ganz hervorragenden Margen gewesen sein.

In der Spitze hatte TPB einst ähnlich Besucherwerte wie KAT, mittlerweile ist die Seite von TPB in zahlreichen Ländern gesperrt. Trotzdem reicht es laut dem Internetdienst Similarweb immer noch für eine Top 100 Webseiten-Platzierung in den USA. Weltweit hat TPB immer noch fast 300 Millionen Besuche pro Monat. In jedem Fall ist TPB daher ein Wirtschaftsunternehmen.

Nun kann man aber auch TPB Betreiber wie einst Peter Sunde schlicht als „Erfinder“ betrachten, so wie es die deutsche Abgeordnete der Piratenpartei im Europaparlament, Julia Reda, in einem Artikel macht und öffentlich beweinen, dass das eigene Idol im Gefängnis keine Sojamilch bekommt. Das ist allerdings reichlich naiv und lässt den wirtschaftlichen Hintergrund und Sundes Motivation völlig außer Betracht.

Sunde und seine Mitstreiter dürften mit dem Betrieb der Plattform im Laufe der Jahre Millionen verdient haben. Erfunden haben sie allenfalls ein parasitäres Geschäftsmodell.

Während das Teilen von Inhalten (Dritter!) zur DNA der Piraten gehört, hört das beim Thema Einnahmen und Steuern allerdings sehr schnell auf. Dafür haben die TPB Betreiber Offshore Firmen gegründet. Sharing ist nämlich nicht caring, wenn es um Steuern geht.

Ein Ökosystem halb im Schatten, halb im Licht

Werbebanner auf dubiosen Webseiten kommen nicht von allein auf diese Seiten. Eine ganze Branche hat sich etabliert, die sich nur darauf spezialisiert hat problematische Angebote mit Werbung zu versorgen: Adnetzwerke.

Einige von Ihnen agieren offen und sind sogar in der EU ansässig wie Exoclicks aus Spanien, Propellerads aus UK oder Shortest aus Polen.
Etliche Adnetzwerke fristen allerdings ein komplettes Dasein in einer Art Schattenwelt.

Ihre Webseiten sind oft durch Content Delivery Networks (CDN) wie Cloudflare geschützt, eine Abfrage, wo das Rechenzentrum der Domains liegt, ist gar nicht oder nur erschwert möglich. Domains werden außerdem über WhoIs Services z. B. aus Panama verschleiert.
Sie haben in der Regel allenfalls ein Webformular zur Kontaktaufnahme. Prominente Beispiele dafür sind „virtuelle Unternehmen“ wie Adrunnr oder Adnetworkperformance. Diese Unternehmen wollen nicht ans Tageslicht, sie scheuen jede Art von Öffentlichkeit und verwischen daher sämtliche Spuren. Das soll in erster Linie das rechtliche Vorgehen verhindern, denn wer nicht erreichbar ist, kann ja schlecht belangt werden.

Aber auch Werbenetzwerke innerhalb der EU können sich relativ entspannt zurücklehnen.
Zivilrechtlich braucht man Verfügungen lokaler Gerichte nicht zu fürchten und selbst Strafverfolgungsbehörden müssen den langwierigen Weg über Rechtshilfeersuchen gehen, der sich oft über Monate hinzieht. Kaum ein Rechteinhaber oder nur wenige Strafverfolgungsbehörden gehen daher diesen Weg. Wenngleich er geeignet wäre, die Empfänger von Geldzahlungen der Werbevermittler, sprich die Betreiber rechteverletzender Seiten, sehr eindeutig zu identifizieren. Zumindest Strafverfolgungsbehörden können das; zivilrechtlich gibt es diesen Anspruch nicht.

Statt also nach den Betreibern von rechteverletzenden Seiten zu fahnden, könnte man die Werbepartner schlicht fragen wohin die Zahlungen gehen.

Wer liefert was?

Betrachten wir einmal die Top Werbenetzwerke auf Kinox.to laut Similarweb Ende Dezember 2017. Man beachte den großen Anteil von Propellerads, auf den wir im Weiteren noch eingehen.

 

 

Abbildung: die führenden Werbenetzwerke bei Kinox.to im Dezember 2017.

Der Mensch will betrogen werden

Eigentlich müsste es heißen, der Werbende will betrogen werden. Denn anders lässt es sich kaum erklären, dass auf rechteverletzenden Seiten fast immer Werbebetrug (Adfraud) festzustellen ist. Banner, Popups oder Popunder, die nie das Licht eines Bildschirms erblicken, trotzdem aber bei jedem Seitenaufruf brav in den Ressourcen der Webseite aufgerufen werden.

Sprich, der Werbende zahlt für etwas, was nie stattgefunden hat. Im Grunde rausgeworfenes Geld, egal wie günstig das vermeintliche Zeigen des Banners auch gewesen sein mag.

Dabei wäre es für seriöse Werbende relativ einfach das zu unterbinden. Genügend technische Lösungen stehen dafür bereit.

Was ist eigentlich mit Brandsafety?

Jede Marke wird von seinem Inhaber eigentlich gehegt und gepflegt. Erstaunlicherweise aber nicht zwangsläufig in Sachen Werbeumfeld. FDS konnte bei seinen Beobachtungen auf rechteverletzenden Seiten durchaus namhafte Marken aus allen Bereichen antreffen.
Es wird von den Werbenden gern zur Standardantwort gegriffen, dass man so etwas nicht wirklich kontrollieren kann. Dass das falsch ist, beweisen Unternehmen wie Sky, die es schaffen ihre Werbung von dubiosen illegalen Sportstreamseiten fernzuhalten, obwohl die Zielgruppe sehr passend sein dürfte. Offenbar hat man bei Sky aber auch einfach begriffen, dass die eigene Werbung zwischen zwielichtigen Dating-, Sex-, Glückspielbannern schlicht entwertet wird.

Andere Unternehmen pfeifen aber auf solche Brandsafety-Grundsätze. Der Druck über sogenanntes Performance-Marketing viele Besucher möglichst günstig auf die eigene Webseite zu schaufeln muss so groß sein, dass man seine eigenen Banner auch neben den angesprochen schmuddeligen Bannern duldet. Das erklärt, warum nach wie vor Browsergames-Unternehmen aus Deutschland auf rechteverletzenden Seiten regelmäßig anzutreffen sind.

Der Fall Elvenar

Werfen wir daher mal einen Blick auf den deutschen Browsergamesanbieter Innogames.
Eines seiner Spiele heißt Elvenar. Von Oktober bis Dezember vertrauten die Marketingverantwortlichen bei Innogames über 50% des Werbetraffics dem dubiosen englisch/russischen Werbenetzwerk Propellerads an. Die Welt berichtete bereits über dieses Unternehmen, weil es maßgeblich das Portal Kinox.to (siehe oben) mit Werbung versorgte.

 

Elvenar.com, Analyse von Similarweb über die benutzten Werbenetzwerke von Oktober – Dezember 2017.

Auch ein Blick auf die Top Publisher laut Similarweb, also diejenigen Webseiten, auf denen Innogames-Banner zu Besuchen der Elvenar.com Seite führten, ist interessant. 3 von den Top 5 Publishern (Webseiten) kommen aus einem extrem dubiosen Umfeld. In diesem Fall sind es commandotorrents.com, vidto.me und italiashare.life.

 

Abbildung: Die Top 5 Werbeseiten, die zu Elvenar.com führten.

 

Auch die Gegenprobe bestätigt diese Zahlen.
Diesmal betrachten wir die Werbungen auf dem strukturell rechteverletzenden Videoportal Vidto.me. Die Similarweb-Analysen bestätigen es, Elvenar ist unter den Top 5 Werbungen auf der Seite von Vidto.me.

 

Abbildung: Die Top 5 Werbeziele bei Vidto.me von Oktober 2017 – Dezember 2017.

Vidto.me ist leider auch kein Einzelfall.
Elvenar-Banner findet man auch an anderen Stellen wie z. B. dem illegalen Livesport-Portal Stadium-Live.biz.

Abbildung: Banner auf Stadium-Live.biz im Oktober 2017.

Der Kampf um die Werbeplätze und neue Einnahmeformen

Weil immer mehr Konsumenten ihre Browser mit Adblockern aufrüsten, spüren das auch die illegalen Seiten durch Mindereinahmen. Aber, es gibt es fast immer Ausweichbewegungen. Entweder werden Seiten dem Besucher gar nicht mehr angezeigt, wenn ein Adblocker erkannt wird („bitte Adblocker deaktivieren“)oder es gibt eleganten Code auf der Seite, der nur eine Aufgabe hat, nämlich den Adblocker zu unterlaufen. Popups erscheinen dann trotzdem auf dem Computer, wenn man im Internet surft, trotz eingeschaltetem Adblocker.

Macht hoch die Tür, den PC macht weit

Zunehmend aggressiv gehen die Anbieter bestimmter Popups vor, die solchen Code zum Umgehen von Adblockern nutzen.
Durch den Code auf der Webseite werden neue Fenster des Browsers geöffnet, die eine angebliche Warnung durch Microsoft beinhalten, der Computer würde gesperrt, man sollte sofort eine vermeintliche Microsoft Hotline anrufen, begleitet von heftigen Warntönen.

Abbildung: Vermeintliche Microsoft Warnmeldung.

Diese neuen Fenster lassen sich nur noch über den Taskmanager schließen oder entfernen.
Wer die angegebene Telefonnummer tatsächlich anruft, öffnet Kriminellen den Weg zum eigenen Rechner, denn genau das ist das Ziel und darum wird Geld in die Distribution solcher Banner investiert. Das Verteilen geschieht besonders gern über camouflierte Werbenetzwerke wie die beiden vorher angesprochenen, es gibt aber natürlich noch zahlreiche andere.
Diese Masche funktioniert so ähnlich auch mit gefakten Updates des Mozilla Firefox Browsers. Auch hier soll ein Trojaner auf den Rechner des Besuchers geschleust werden, damit dieser Daten ausspähen kann. Schadsoftware als Zahlungsmittel.

Tracking all over

Popups oder Popunder Werbung kann gewaltig nerven und so manchem Besucher das Aufrufen einer Webseite verübeln, auch die o.g. aggressivste „Werbung“ wird daher nur phasenweise geschaltet, denn ansonsten meiden Konsumenten die Seiten komplett.
Andere Formen der Monetarisierung sind daher gefragt. Es gibt sie natürlich längst:

Die Profile der Besucher werden getrackt und immer weiter verfeinert. Dieses geschieht durch Dienste wie beispielsweise Eyeota. Hinter deren 3.5 Mrd. Konsumentenprofilen verblasst sogar Facebook.

Einfach gesprochen, liefern Besucher bestimmter Webseiten immer weitere Daten, die das Profil des Besuchers fortlaufend verfeinern. Durch solche Profiltrackingdienste ist z. B. klar, dass der Webeseitenbesucher ein Mann ist, etwa 40 Jahre alt, Interesse an Sport aber auch Film, vielleicht gerade Single, ansässig in der Gegend von Nürnberg usw. Genau ihm wird daher relevante Werbung angezeigt, wenn er beliebige Webseiten besucht, die Werbungen mit diesen Informationen für ihn in Echtzeit ausspielen.
Viele rechteverletzenden Webseiten sammeln für Unternehmen wie Eyeota oder Adobe mit seinem Audience Manager fleißig Daten. Diese kommen dann später auf völlig legalen Webseiten zum Einsatz. Am Ende fließen zwar pro Besuch einer Piraterie-Seite nur sehr geringe Beträge für die Daten aber die Masse der Besucher macht es aus.

Diese Art der Monetarisierung fliegt sozusagen unter dem Radar, ist weit weniger störend und sehr lukrativ wenn wir uns die enormen Besucherzahlen von KAT oder TPB vor Augen führen.

Crypto is sexy

Ebenfalls unter dem Radar laufen auch Skripte auf illegalen Seiten, die die Rechner der Webseitenbesucher zum Erzeugen von Crypto-Währungen benutzen. Um z. B. Bitcoins oder auch Monero zu errechnen – dem sogenannten Mining – braucht es sehr viel Rechenleistung. Was liegt also näher als die Maschinen der Millionen Besucher dazu zu benutzen? Der Konsument merkt diese unfreiwillige Hilfsleistung allenfalls durch ein extrem stark beanspruchten Arbeits- oder Grafikspeicher seines Rechners. Oder wenn er einen guten Virenscanner über sein System laufen lässt.

TPB setzt solche Skripte ein aber auch Portale wie Kinox.to scheinen Gefallen an Skripten wie Coinhive zu finden und sourcen das Mining einfach an die Besucher aus. Auch hier nutzt den Betreibern die große Zahl von Besuchern solcher Seiten und sie verdienen indirekt an den Besuchern. Artikel bei Tarnkappe.info oder auch bei der Süddeutschen Zeitung bestätigen diesen Trend.

Ein Resümee

Monetarisierung von rechteverletzenden Seiten ist ein sehr volatiler Prozess. Was gestern noch gut funktionierte, kann morgen schon ganz anders aussehen.

Grundsätzlich sollte man die unregulierte Distribution von Inhalten im Netz als das betrachten, was es ist: Ein wirtschaftlich orientiertes Handeln. Jede andere Form von Erklärungen, ganz besonders diejenigen, die von Befreiung von Inhalten spricht, ist nichts anders als eine Nebelkerze. Sie hat eigentlich nur den Zweck von den Lösungen abzulenken. Gerade in Deutschland hat das sehr lange gut funktioniert und sogar Parteien wie die Piraten Partei in Landtage oder das EU Parlament gespült.

Wenn man die Sache aber wirtschaftlich betrachtet, dann liegen die Lösungen auch viel näher. Man findet sie eben nicht im sozial-gesellschaftlichen Bereich sondern im fehlenden oder mangelhaften Rechtsrahmen. Die fehlenden oder falschen Regulierungen haben Geschäftsmodelle wie TPB oder auch Kinox erst ermöglicht.

EuGH vs. BGH, so ist die Situation momentan. Während in der EU Direktive schon seit über 10 Jahren Sperrungen vorgesehen sind, legt das höchste deutsche Gericht Hürden auf, die sich so im EU Recht gar nicht wiederfinden. Folglich gibt es EUGH-Urteile wie das Sperren bestimmter Webseiten in Österreich oder den Niederlanden, die so in Deutschland gar nicht möglich wären. Selbst der oberste Gerichtshof Österreichs ist in dieser Sache schon weiter.
Die Gerichte ziehen dort ganz bewusst weitere Beteiligte in die Abwägung bei ihren Urteilen. In den beiden angesprochenen Fällen sind es Zugangsprovider, die deutlich weiter weg vom Geschehen sind als diejenigen, die von Internetwerbung partizipieren.

Was ist daher eigentlich mit den vielen Beteiligten, die Piraterieseiten mit Werbegeld versorgen? Müssten nicht auch die Werbenden, Profiltracker, die verschiedenen Werbenetzwerke und wenn diese nicht ermitteln können, auch deren Infrastrukturanbieter in die Betrachtung einbezogen werden?
Man sollte sich einfach einmal vor Augen halten, dass es dort wirtschaftliche Beziehungen gibt und Geschäfte sowie Umsätze erzielt werden. Die Beteiligten sind also viel dichter bei einander als im Fall der Webseite und des Zugangsproviders.
Die EU-Kommission setzt hier aber nur auf Freiwilligkeit und verweigert die Anpassung der Durchsetzungsrichtlinie. Eher bekommt mal also einen Pudding an die Wand genagelt als Unterstützung aus Brüssel.

Lösen könnte man es unter anderem über das Wettbewerbsrecht aber auch über eine erweiterte Auskunftspflicht von beteiligten Unternehmen. Wer mit schäbigen Seiten Geschäfte mache, der muss auch Auskunft darüber geben. Nur wenn Ross und Reiter bekannt sind, dann haben diejenigen, deren Rechte täglich unzählige Male im Internet verletzt werden, überhaupt eine Chance zur Gegenwehr.

Nicht zuletzt sollten die Steuerbehörden nicht nur bei Google und Co. daran denken, dass in Deutschland massive Umsätze getätigt werden, die über Offshorefirmen und Anonymiserungen wohl meist nicht erfasst werden.

 

Über den Autor: Volker Rieck ist Geschäftsführer des Content Protection Dienstleisters FDS File Defense Service. Er gilt als ausgewiesener Experte für Piraterie. FDS arbeitet an regelmäßigen Studien zu Piraterie Themen. Es unterstützt außerdem Strafverfolgungsbehörden durch seine Daten. Quelle Beitragsbild, thx! (CC0 1.0)

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